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 Fahrschemel



Was ist das eigentlich, ein Fahrschemel? Vielleicht assoziiert man das Wort 'Schemel' als erstes mit einem einbeinigen, um den Leib geschnallten Melkschemel. Näher dran an dem für die Kfz-Technik gebräuchlichen Begriff ist das 'Bänkchen'. Das erklärt vielleicht ein wenig, dass man früher Leiterrahmen und Starrachsen hatte und sich der Fahrschemel nach deren Auflösung dazwischen eingenistet hat.


Hier sehen Sie, dass bei einer an Blattfedern aufgehängten starren Hinterachse ein Fahrschemel nicht nötig ist. Auch die Verbundlenker-Hinterachse unten braucht als sogenannte halbstarre Achse keinen Fahrschemel. Sie wird an den äußeren Längsträgern befestigt und ist damit im Reparaturfall auch leicht demontierbar.



Schon die erste DeDion-Achse (Patent 1893) verband zwar die beiden Räder starr, brauchte aber für den Achsantrieb eine Halterung. Ist diese Querstrebe im Chassis schon ein Fahrschemel? In den 30er Jahren kommen Einzelradaufhängungen auf den Markt. Das McPherson-Federbein ist noch nicht erfunden, also gibt es vorn Querlenker unten und vor allem oben.


An diesem Bild einer solchen moderneren Aufhängung wird klar, dass mit dieser Änderung der Vorderachse der damals übliche Leiterrahmen erheblich erweitert werden musste. Unten das Bild einer Vorderradaufhängung des ungefähr zur gleichen Zeit entstandenen VW-Käfers mit je zwei Längslenkern auf jeder Seite. Sind die beiden Rohre mit den darin enthaltenen Federpaketen schon Andeutungen von Fahrschemeln?


Unten die damit verbundene Hinterachse. Noch mehr Aufwand wird getrieben. Es gibt nicht nur ein Querrohr, das die Federn enthält, sondern auch eine Art leicht verdrillbare Längslenker und eine aufwendige Halterung für die Dämpfer. Man hat sich nicht getraut, diese an der auch recht stabilen aufsetzbaren Karosserie zu befestigen. Umbauten zu Buggies haben davon profitiert.


Nein, als Fahrschemel werden solche Verbindungen zwischen Radaufhängung und Karosserie erst bezeichnet, seit letztere selbsttragend geworden ist. Natürlich haben nicht alle solch eine Konstruktion an Bord, prominentestes Beispiel: der VW Golf 1. Der hat hinten die schon erwähnte Verbundlenker-Achse. Vorne sind die Querlenker und das Federbein einfach mit der Karosserie verschraubt.

Jetzt werden auch schon Nachteile des Fahrschemels sichtbar, denn dieser Golf ohne war eines der beispielhaft leichtesten, die VW je gebaut hat, vergleichsweise wenig Verbrauch und gute Leistungsentfaltung auch schon relativ kleiner Motoren waren die Folge. Jetzt können sie natürlich fragen, warum VW auch bei diesem Typ schon bald doch zum Fahrschemel gegriffen hat?

Womit wir bei den Vorteilen wären. Nehmen wir einen kleinen Umweg in Kauf und hören wir dem Dipl.-Ing. Karl-Heinz Baumann bei youtube zu, ehemaliger Leiter für passive Sicherheit bei Daimler-Benz, wenn er über drei verschiedene Wege zu einer damals neuen Karosserie des W 140 (S-Klasse) berichtet, die mehr Komfort und Gediegenheit erreichen.

Erste angedachte Möglichkeit war ein sogenannter Perimeterrahmen, also wieder die Trennung von Karosserie und Chassis, letzteres besonders die seitlichen Längsholme verstärkend. Denn 'peri' bedeutet im Altgriechischen so viel wie 'außen herum' (Wikipedia). Als zweite Möglichkeit wurden größere Blechdicken und als dritte ganz dünne Sandwich-Blechkonstruktionen mit Kunststoffschicht dazwischen ausprobiert. Letzte erwies sich zwar als leicht, aber in Pressen schwierig verformbar.

So blieb die Karosserie konventionell, erhielt aber einen vergleichsweise riesigen Fahrschemel, der Motor und Vorderachse aufnahm und trotz seiner geräuschdämmenden Aufhängung durch eine starke Verbindung zu den Holmen außen bei Unfällen Kräfte in diese ableiten konnte. Die Art der Aufhängung hat also endgültig die Definition geprägt und den Fahrschemel von einem fest mit dem Chassis verbundenen Integralträger unterschieden.


Es sind also Geräusche und Vibrationen, die er abhalten soll. Er ist heute beliebter denn je, z.B. bei SUVs wie dem Porsche Cayenne (Bild oben). So gibt es z.B. den aktuellen Ford Focus als ST hinten mit Mehrlenker-Achse und einem zusätzlichen Fahrschemel hinten obwohl das Grundmodell nur mit Verbundlenkern ausgerüstet ist. Vermutlich wird dadurch das Chassis stabilisiert, was sich positiv auf das Fahrwerk auswirkt.







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