Trommelbremse

Trommelbremsen, gibt's die überhaupt noch außer beim Lkw? Falsche Frage, denn auch beim Lkw sind sie längst auf dem Rückzug. Aber natürlich gibt es sie noch, wie man z.B. oben an dem Ring für
den ABS-Sensor erkennen kann, bei kleinen, kostengünstigen Wagen und in Verbindung mit Auflaufbremsen beim Hänger. Und dann als Feststellbremse innerhalb der hinteren Scheibenbremse (Bild
unten).

Dabei wird dann auch schon der Hauptvorteil neben den geringeren Kosten deutlich, nämlich die eingebaute Selbstverstärkung. Wenn also die Bremsbacken oben gespreizt werden, entsteht eine auf- und
eine ablaufende Backe, je nach Fahrtrichtung wechseln. Dreht also die Trommel bzw. Bremsscheibe oben gegen den Uhrzeigersinn, dann ist die linke die auflaufende und die rechte die ablaufende.
Bei der auflaufenden Backe wird das in Laufrichtung hintere Ende des Belags angedrückt, bei der ablaufenden das vordere. Wenn Sie jetzt einen kleinen Eisenkeil hätten, bei welcher Bremsbacke würde
der eher eine Klemmwirkung erzeugen, bei zunehmendem Spalt oder bei abnehmendem? Natürlich bei abnehmendem.

Noch einmal ist das Bild vergrößert, das Sie schon im Kapitel über die Einkreisbremse gesehen haben. Man bezeichnet sie wegen der zwei nur einseitig wirkenden Radbremszylinder als 'Duplexbremse'.
Dabei müssen die Kolben in Laufrichtung der Trommel ausfahren, hier also wieder gegen den Uhrzeigersinn. Erreicht also ein Punkt auf der Trommel erst den Spreizmechanismus und dann erst den
Anlenkpunkt, so handelt es sich um eine auflaufende Bremsbacke.

Hier sind noch einmal alle vier Möglichkeiten versammelt, unter Simplex und Duplex oben noch Duo-Duplex und Duo-Servo. Während Duplex nur in einer Richtung verstärkt (siehe Pfeil), tun die unteren
das in beiden, die Duo-Servo durch die Laschen-Verbindung ohne Stützpunkt mit dem geringsten Aufwand.

Das ist eine Simplex-Trommelbremse aus der Praxis. Sie kann wegen ihres schlechten Hitzeverhaltens nur hinten eingebaut werden. Dort ist sie allerdings durch die Selbstverstärkung sehr gut für die
Feststellbremse geeignet. Das Handbremsseil wird zwischen der Öffnung unten links und dem Ende des Spreizhebels unten rechts eingehängt. Nachgestellt wird diese Bremse an der Verbindungsstange, was in
der Regel automatisch funktioniert.

Das Bild leitet eine sehr vereinfachte Erklärung des automatischen Nachstellmechanismus ein. Immer wenn die Handbremse gelöst wird, könnten bei genügend Spiel die kleinen Dreiecke mit treppenförmigen
Schrägen etwas tiefer in die eigentlich zweiteilige Verbindungsstange gedrückt werden und diese längen. Modere Nachstellvorrichtungen arbeiten auch schon mit Thermoelementen, die eine nur wegen übermäßiger
Erwärmung mögliche Nachstellung verhindern.

Zum Schluss noch ein Hinweis zur Demontage von Trommelbremsen. Achten Sie immer darauf, die Bremse vor dem Abnehmen der Trommeln zurückzustellen. Bei dem Versuch, die Trommel mit einem Abzieher
ohne Rückstellung abzuziehen, kommt nicht nur die Trommel, sondern man hat auch die kompletten Bremsbacken und den halbe Radbremszylinder (Bild oben) abgezogen.

Mächtige Trommelbremsen vorn an einem Mercedes-Benz Rennwagen W 196 R von 1955.
Der Ruhm der Vergangenheit ist verblasst und doch könnte es eine neue Zukunft für die Trommelbremse geben. Der Grund ist die flächendeckende Einführung von Elektroautos. Zu dem scheint sie besser zu
passen als die Scheibenbremse, auch und gerade, wenn sie auf der Vorderachse durch ein ABS-System dauernd beobachtet würde und hier ein Schiefziehen verhindert werden könnte.
Der Grund für diesen Wandel liegt in der Rekuperation eines E-Autos. Diese übernimmt 80 bis 90 Prozent der Bremsungen und macht dadurch die normale Bremse arbeitslos. Nachteil, auf Bremsscheiben bildet
sich Korrosion, die nicht mehr durch Bremsen entfernt wird. Die Trommelbremse ist besser geschützt, kostengünstiger und als Festbremse immer schon deutlich sinnvoller.
|