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 F7 F9




  Detroit Diesel



Detroit Diesel
TypkW1/minkg
2-71502.000435
3-71672.100692
4-711182.100807
4-71T1402.100830
6-711752.100993
6-71T2102.1001.016
6V711752.100912
6V71T2042.100943
8V712342.1001.048
8V71T2662.1001.132
12V713502.1001.415
12V71T4072.1001.610
16V714672.1002.086
16V71T5332.1002.177
Es sind nun mal keine Leichtgewichte

Was versteht man eigentlich unter einem Detroit Diesel? Es ist eine Gründung von General Motors von 1938/39 mit später mannigfaltig wechselndem Namen. Zwischendurch mit der Penske Corporation liiert landet diese schließlich mit dem Bereich für Straßenfahrzeuge unter dem Dach von Daimler Trucks North America. Wir wollen einen Blick in die Technik einer bestimmten Motorenreihe werfen. Also lehnen Sie sich zurück und vergessen Sie so manches, was Sie über Dieselmotoren wissen.

Der 4.71 arbeitet nach dem Zweitakt-Prinzip. Das klingt für europäische Ohren eher ungewöhnlich. Bei uns kommt das fast ausschließlich bei sehr langsam laufenden, riesigen Schiffsmotoren bis zu 100.000 PS vor. Der 4.71 ist aber ein eher normaler Motor u.a. auch für den Lkw-Bereich. In ihm öffnet der Kolben auf dem Weg nach UT rundherum im Zylinder Schlitze, die als Einlass wirken. Durch diese dringt Luft in den Brennraum, die bei gleichzeitig geöffneten Auslassventilen jegliche Verbrennungsgase hinausbefördert.

Es gibt den 4.71 mit und ohne 'T', was so viel wie 'Turbo' bedeutet. An dieser Stelle wundert man sich zum ersten, aber beileibe nicht zum letzten Mal, denn, um den Brennraum restlos mit Frischluft zu fluten, ist auf jeden Fall ein gewisser Druck nötig, wenn der Kolben die rundum verteilten Öffnungen gegenüber dem Zylinderraum freigibt. Des Rätsels Lösung: Der 4.71 ohne 'T' hat statt des Turboladers einen Roots-Kompressor, übrigens immer mit geringerer Leistung.

Auch zur einfacheren Überholung des Motors haben die Zylinder trockene Laufbüchsen, nicht nasse, wie früher bei uns im Lkw üblich. D.h. die Kühlflüssigkeit befindet sich hinter einer weiteren Wand, als Bestandteil des Zylinderblocks. Unten bei den Schlitzen ist die Laufbüchse von einem Raum umgeben, der sich 'Air Box' nennt. Flüssige Anteile sammeln sich in der durch Aufladung hineingepumpten Frischluft unten in der Box und müssen durch ein Ventil in einen Behälter abgeführt werden.

Das Ventil ermöglicht das, ohne den Ladedruck allzu sehr absinken zu lassen. Es bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Weiter nach unten gehen wir nicht, weil es hier endlich mal so aussieht, wie wir es gewohnt sind. Auch das zur Ölleitung durchbohrte Pleuel gehört dazu. Sie wird noch durch den Kolbenbolzen hindurch bis in das Oberteil des Kolbens verlängert. Außen sind die Kolbenbolzen beidseitig von Kunststoffscheiben abgedichtet, deren Dichtigkeit bei einer Motorrevision überprüft wird.


kfz-tech.de/PDM2

Der Kolben selbst ist zweigeteilt, oben mehr aus einer Legierung, die gegen Hitze beständig und besonders zugfest, unten ein sogenanntes 'Shirt' (Umkleidung) mit guten Gleiteigenschaften. Das Oberteil bildet mit der 'Crown' (Krone) den unteren Teil des Brennraums, den von uns gewohnten Kolbenräumen nicht unähnlich. Interessant die Verdichtungsringe am oben abgebildeten Teil, einer davon an der höchst möglichen Stelle. Ganz unten am Shirt zwei Ölabstreifringe. Die Bestückung ist je nach Kompressor- oder Turbo-Modell verschieden.

Wohlgemerkt: Das untere Teil sieht zwar aus wie ein auf dem Kopf stehender Kolben, ist aber nach unten offen. Von dort aus erreicht man zwei Schrauben, durch die es mit dem Teil oben verbunden wird. Die beiden finden gerade noch neben dem Kolbenbolzen Platz. Der ist gleichzeitig an dem Pleuelschaft verschraubt. Es gibt also kein oberes Peuelauge. Auch hier in der Dimensionierung wieder Unterschiede zwischen Turbo und Kompressor. Die beiden Teile des Kolbens sind am höchsten Punkt des Shirts durch einen O-Ring gegeneinander abgedichtet.

Noch komplizierter ist die aus besonderen Einzelringen bestehende Abdichtung der Laufbüchsen oben gegenüber dem Motorblock und dem Zylinderkopf gleichzeitig. Ganz oben im Block, die Nockenwelle, die nicht nur über Tassenstößel im Kopf und zwei Kipphebel mit Brücken die vier Ventile betätigt, sondern über einen dritten Nocken pro Zylinder die Pumpedüse. Die füllt den Raum zwischen den vier Ventilen und ihren Auslasskanälen fast vollständig aus und ist sogar flüssigkeitsgekühlt.

Und woher hat der 4.71 seine Bezeichnung? Nun, er ist zunächst einmal ein Vierzylinder mit 4,7 Liter Hubraum. Das sind umgerechnet 284 cubic inch, was den Einzelhubraum von 71 cu in ergibt. Das Besondere daran ist, dass danach eine ganze Baureihe benannt ist, also alle den gleichen Hubraum haben. Nach und nach kamen so zu den Reihenmotoren von einem bis zu sechs Zylinder auch noch V-Motoren von sechs bis vierundzwanzig. Da wäre der kleinste also ein 6V-71.

Die Rationalisierung geht noch weiter, es gibt nämlich keinen 10V-71. Warum nicht? Weil es keinen 5V-71 gibt. Denn die V-Motoren haben die gleichen Zylinderköpfe. So kommen dann beim 12V-71 vier Zylinderköpfe des 3-71 zum Einsatz, beim 24V-71 vier des 6-71. Voraussetzung ist natürlich, dass in den beiden Zylinderreihen der V-Motoren, anders als gewohnt, je eine Nockenwelle ihren Dienst tut. So, und jetzt müssten Sie sich die moderneren 53er und 92er-Reihen von Detroit Diesel selbst vorstellen können.

Wo hat es das noch gegeben, den Motor nach dem Einzelhubraum zu bezeichnen? Bei Ferrari natürlich.


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