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Elektro-Satire



Schon seit einiger Zeit gibt es eine neue Gattung Mensch. Begonnen hat es mit dem Stern der Bewegung, der die E-Mobilität eigentlich nur nebenbei betreiben wollte. Sein Hauptziel ist der Mars, ein neues großflächiges Grundstück für sehr viele Menschen, das leider mehr als ein paar Autostunden entfernt ist und dem der Wasseranschluss noch fehlt. Strom gibt es dort eh' nur direkt von der Sonne.

So wie damals die ersten Computer-Freaks in der Garage der Eltern hat er aus Spaß die Zellen aus seinem Laptop-Akku herausgeholt, von diesen etwa 7.000 Stück gekauft und in ein Lotus-Chassis gestopft. Der Rest war schnell erledigt. Womit er wohl nicht gerechnet hat, war der Erfolg dieses Autos. Sofort wurde er als Guru gefeiert, freilich mit dem Auftrag, so etwas auch für seine Jünger bereitzustellen.

So entstand seine erste Autofabrik. Da seine Reden und besonders die Ah's dazwischen von besonders andächtigem Lauschen begleitet werden, fand er sich irgendwann auch nachts in einer seiner Fabriken wieder, verzweifelt über die Pannen bei der ersten Massenproduktion nachdenkend. Die deutschen Jünger geben sich allerdings wesentlich cooler als die kalifornischen. Die kritisieren seine Autos bisweilen sogar.

Woran man sie erkennt? Nun gut, sie sind nicht besonders arm, denn anfangs konnte man ja nur neue E-Autos kaufen. Und da man schon bei der herkömmlichen Automobilindustrie abgeschaut und zuerst die Topmodelle angeboten. Und obwohl die Begeisterten den Umweltschutz als besonders schützenswert vor sich hertreiben, kaufen sie doch auffallend oft ein neues Modell. Bisweilen legen sie viele Kilometer im Dienste ihrer youtube-Fans zurück, nur um denen von ihren Erfahrungen berichten zu können.

Die helfen ihnen dann ein wenig bei den Betriebskosten. Überhaupt ist Geld bei der ganzen Sache ein Problem, wenn auch nicht für die Begeisterten selbst. Denn eigenartigerweise kommt immer ein E-Auto als Sieger vor, wenn es z.B. bezüglich der Kosten mit einem herkömmlichen verglichen wird. Dabei müssten Sie doch eigentlich die Bilanz für Verbrenner kennen, denn die allermeisten sind mittleren oder leicht gehobenen Alters und selbst früher mit diesen gefahren.

Erstaunlich wie sie sich bisweilen behandeln lassen. Inzwischen trauen sie sich, ein nagelneues Auto mit Mängeln auch einmal nicht abzunehmen. Früher haben sie sich nach weiter Reise einem der wenigen Stützpunkte auf den letzten Metern mit Kniefällen zwischendurch genähert, froh, wenigstens einmal in Ruhe ihre Sorgen mit dem Auto darlegen zu können. Bald war die eigentlich nötige Reparatur vergessen, denn die Bediensteten dort sehr freundlich.

Einige der Jünger fanden die Beschäftigung nur mit E-Autos nicht ausreichend genug. Obwohl sie sich gegenseitig besucht und ihre Autos begutachtet haben. Da trafen sich dann auch die Kameras, so dass man sehen konnte, wie das jeweils andere Team arbeitete. Da sich aber auch in Megafactories die Dinge nicht so schnell ändern, kam die Idee einer gewissen Autarkie auf, die heiße Frage, wie man den Strom für sein Auto selbst produzieren kann.

Nein, die Förderprogramme des Staates hatten sie längst verpasst, hätten also nur noch gut ein Drittel des Geldes für ihren Strom bekommen, den sie für den aus dem Netz zahlten. Und wenn man ihn speichert, warum dann nicht gleich für das Auto? Da darunter allerdings die Ladegeschwindigkeit empfindlich leidet, sind manche von ihnen auf die Idee gekommen, tagsüber ihr Auto direkt von den Kollektoren zu laden und dann nachts ins Büro zu fahren.

E-Mobilität, das ist das Vergnügen, mit einem auch und gerade für kleinere Autos unheimlichen Dampf loszubrausen, und sich dann mit ihm auf eine besonders gesittete Fahrt zu einigen. Führt man so ein Auto beispielsweise seinem/r Nachbarn/in vor, so reicht es einmal die Straße in beiden Richtungen zu fahren und dabei kräftig Gas (Verzeihung Strom) zu geben. Langstrecken hält kein Gast aus, der an einen Verbrenner gewöhnt ist.

So ist auch die youtube-Bewegung bei den Fahrern/innen von E-Autos entstanden. Die haben einfach wieder einmal an der Ladesäule gestanden und hatten die Bücher durch, die sie bei sich hatten. Obwohl die Software-Updates sich alle Mühe geben, den Leuten bei den Ladepausen die Zeit zu vertreiben, reichte das den youtubern nicht aus. Und als sie dann laufend zwischen Ladesäule und Display innen hin- und herfilmten, kamen sie drauf, dass da etwas nicht übereinstimmte.

Inzwischen werden auch Stand-, Ladeverluste und -kurven diskutiert. Wie bei jeder solchen Bewegung haben auch schon viele dem Guru den Rücken gekehrt, sogar Manager. Inzwischen sind auch die deutschen Hersteller aufgewacht, zumindest sehr teilweise. Wenige der Jünger finden sogar die ganz nett, allerdings als Abtrünnige sorgsam beäugt. Es wird halt noch etwas dauern, bis Besitzer/innen von E- Autos zu ganz normal-kritischen Verbrauchern werden.







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