 Dante Giacosa 4

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Mussolini und seine Vasallen haben außer einem Besuch im Werk zunächst nur indirekt mit der Arbeit von Giacosa zu tun. Bis zu dem Oktober 1935, da Italien Äthiopien den Krieg erklärt, und den König dort
quasi durch den eigenen ersetzt. Daraufhin treffen die italienische Industrie Sanktionen.
So stammt z.B. das hydraulische Bremssystem vom Topolino von Lockheed, ohnehin wünschenswert, nicht für jeden ausgelieferten Wagen zahlen zu müssen. In dieser Phase trifft er auf einen Herrn Baldwin.
Es gelingt unter Mithilfe von Giacosa, dessen Patente zur Steuerung einer hydralischen Bremse anstelle der teureren von Lockheed zu nutzen.
Giacosa erwähnt zwar, dass es in jener Zeit für die Firma bestimmt besser ist, der Partei beizutreten, aber ob das wirklich so gekommen ist, erwähnt er nicht. 1937, mit 32 Jahren, heiratet er. Anschließend die
Hochzeitreise in einem Topolino. Zwei Jahre später wird seine Tochter geboren.
1937 stellt man den 508 C vor, auch als 'Ballila 1100' oder 'Super-Ballila' bezeichnet. Er hat den von 995 cm3 auf 1.089 cm3 vergrößerten Motor, leistet nun im Alltagsdress 23,5
kW (32 PS). Als Lieferwagen oder Taxi mit sechs Sitzen gibt es ihn mit geringerer Verdichtung mit 2 PS weniger.
Es ist deshalb bemerkenswert, weil er die sehr lange währende Ära der 1100er bei Fiat einläutete. Giacosa nennt eine Zahl von 67.000 produzierten Exemplaren mit einer Belegschaft von 40.000 in den wenigen
Jahren bis Kriegsbeginn. Der 508 C mit dem stärkeren Motor holte in seiner Kategorie mit 145 km/h den Geschwindigkeits-Weltrekord.
1938 erscheint das erste Buch von Dante Giacosa zusammen mit A. Garro unter dem Titel 'Motori endotermici', was die eher wissenschaftliche Bezeichnung für die Verbrennungsmotoren darstellt. Das Buch ist
noch heute verfügbar und hat immerhin 884 Seiten. Giacosa ist für seinen Vorgesetzten auch als Dozent an der Fachhochschule für Automobiltechnik eingesprungen.
Wo Licht ist, macht sich auch Schatten breit. Giacosa verliert innerhalb eines Jahres beide Eltern und Fiat den Direktor der Division für Flugmaschinen Tranquillo Zerbi unerwartet mit 53 Jahren, unter dem
Giacosa so lange und glücklich immer wieder gearbeitet hatte. Sein Grab wurde geziert durch eine Steinkultur, die einen luftgekühlten Sternmotor darstellte.
Einer dieser Motoren mit der ungewöhnlich graden Zahl von 24 Zylindern und gegeneinander drehenden Propellern hatte Zerbi und damit Fiat berühmt gemacht, als er den Geschwindigkeits-Weltrekord für
Wasserflugzeuge gewann. Am 1. Januar 1940 wird Giacosa mit noch nicht 35 Jahren zum stellvertretenden Leiter der Automobil-Gesamtabteilung befördert.
Unter seiner Leitung war schon vorher mit der Entwicklung von einem Ersatz für den Fiat 518 C begonnen worden, beide mit Sechzylinder und 'Ardita' genannt. Der schwächere hatte 1.650 cm3 und
40 kW (55 PS), der stärkere 1.750 cm3 und 48 kW (65 PS). Erstaunlich, die Einzelradaufhängung auch an der Hinterachse.
Zusätzlich entwickelt Giacosa noch an einem V8 OHV mit Alu-Block, womöglich sogar auf Tatras Spuren im Heck, allerdings quer eingebaut. Und dann sinnt man noch auf einer 700er als Mitte zwischen 500er
und 1100er. Alles wohl mehr oder weniger Studien, aber man fragt sich langsam, ob irgend etwas außer dem Frontantrieb bei Fiat nicht entwickelt wurde.
In einem kurzen Intermezzo geht es um die Gründe, warum Oberklasse-Modelle von Fiat gewichtsmäßig nicht gegen amerikanische konkurrieren konnten, man fand heraus, dass diese bei Fiat nach den gleichen
Normen wie die Fahrzeuge der untersten Klassen gebaut wurden.
Dabei kam der schwierige Straßenzustand in Italien zum Vorschein, dessen starke Verwinkelung und sehr unterschiedliche Qualität, die häufig übliche Überladung der Fahrzeuge, ein vergleichsweise großer
Einsatzbereich, das nicht temperamentvolle Fahrverhalten und die durch Steuern auch auf das (oft niederoktanige) Benzin erzwungene Beschränkung der Motorengröße.
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