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9. Dezember 1959

Was für ein Schicksalstag für BMW. Es ist der Punkt, auf den die Nachkriegsgeschichte der Firma hinausläuft, vielleicht sogar deren gesamte Automobilgeschichte. Sehr die Frage, ob man in der
Vorkriegszeit allein mit dem Verkauf von Autos zumindest kostendeckend gewesen ist, auch wenn man die Motorräder hinzuzählt. Hat nicht die Produktion der Flugzeugmotoren eine entscheidende Rolle
gespielt?
Die gibt es nun nicht mehr, ebenso wie das Werk Eisenach. Stattdessen, mit Ausnahme der Isetta bei den Autos nur noch Flops, wunderschöne wie der 507 zwar, aber alles irgendwie finanzielle
Desaster. Das letzte ist der BMW 600. BMW droht der Konkurs, den Anlegern der Totalverlust. Da machen Friedrich Flick, Großaktionär von Daimler-Benz und Hermann-Josef Abs, Chef der Deutschen
Bank, ein Angebot zur Übernahme, sogar als Schreiben an die DB-Belegschaft, noch vor der entscheidenden Aktionärsversammlung bekannt gegeben.
Schon hier wird deutlich, was BMW im Falle der Übernahme von Daimler-Benz droht. Die wollen das Werk nutzen, um ihre Überkapazitäten abzubauen, BMW als Montagewerk für Mercedes, Verlust auch
des neusten Modells 700 und vermutlich sogar des Markennamens. Auch die Aktionäre kriegen ihr Fett weg, denn mit der Übernahme sollen ihre Aktien nur noch die Hälfte wert sein und sie sich nicht am
Kauf der dann neu auszugebenden Aktien beteiligen können.
Vielleicht sind es ja auch diese harten Einschnitte, die den Prozess letztlich nicht erfolgreich für Mercedes haben enden lassen. Man hat vermutlich überzogen. Spannend bleibt natürlich, wie man sich an
jenem Tag zunächst einmal teilweise und später vollständig aus dieser Lage befreien konnte. Um die Spannung ein wenig zu verringern, es war am Ende hauptsächlich einem Rechtsanwalt aus Frankfurt zu
verdanken, Dr. Friedrich Matern, die Rechte der BMW-Händler vertretend.
Von einem der Aktionäre erhält er eine Aktie und damit Rederecht. Der hat, wie gerade bei dieser Aktionärsversammlung, genügend Wut im Bauch, um den Gang der Dinge aufzuhalten, bis Matern einige
zusätzliche Recherchen durchgeführt hat. Und solange geht es bei der Hauptversammlung hoch her. Erst nach einer improvisierten Mittagspause kommt Matern zu Wort. Er deklamiert bzw. provoziert nicht
wie die andern, sondern stellt sachliche Fragen, auf die er enthüllende Antworten erhält.
Dabei ergibt sich folgendes Bild: Das neue Modell 700 wird erstaunlich gut angenommen. Auch ist sein Preis durchaus etwas mehr als kostendeckend kalkuliert. Man hat, etwas befremdlich, ein MAN-
Angebot der Übernahme des riesigen Werks in Allach nicht versucht einzuholen. Punkt für Punkt weist Matern nach, dass in der Bilanz einige BMW-Werte herunter- und Kosten hochgerechnet sind, alles,
um die Zustimmung zur Übernahme durch Daimler-Benz zu erzwingen.
Geschickt greift er das ganze Verfahren dieser Hauptversammlung an und präsentiert dann das Angebot von MAN, Allach sofort und ohne weitere Bedingungen für 30 Mio. DM zu kaufen. An der Halbierung
der Aktienwerte will er festhalten, allerdings nicht am Verbot für die Aktionäre, neue Aktien zu kaufen, natürlich mit Bezugsrecht. So stehen plötzlich trotz Abzug der Schulden 60 Mio. DM für den so
unbedingt notwendigen Mittelklassewagen zur Verfügung.
Der war aller Vermutung nach ein zusätzliches Motiv von Mercedes für die bedingungslose Übernahme von BMW. Man wollte einen wieder heranwachsenden Konkurrenten loswerden, eine Gefahr, durch die
spätere Geschichte deutlich bewiesen. Und einer sitzt im Saal, sowohl Eigner von DB- wie auch von BMW-Aktien. Der wird, vermutlich durch diesen Auftritt von Dr. Matern seinen Glauben an die eigene
Kraft von BMW wiederfinden und tatkräftig unterstützen, Großaktionär Herbert Quandt.
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