2022 Tesla Semi Truck
Das ist schon beeindruckend, was die Tesla-Jünger aus dieser Präsentation des Semi-Trucks alles herauslesen. Nein, nicht im positiven, sondern eher im negativen Sinne. Da wird gelobt, dass sich die Balken
biegen. Es tut geradezu weh, dass moderne Verbrenner-Lkws wie Nachkriegsfahrzeuge abgehandelt werden.
Hier also der Versuch, etwas objektiver an die Sache heranzugehen. Da muss zunächst einmal vorausgeschickt werden, dass Trucks in USA eine völlig andere Spezies als Lkws in Europa sind. Natürlich ist bei
Trucks eine ganz andere Aerodynamik möglich, sind die Sattelzugmaschinen in ihrer Länge doch nicht gesetzlich beschränkt.
Auch fahren sie dort viel schneller als die 89 km/h hierzulande. Die bis zu 75 Mi/h (120 km/h) und die Warnmechanismen vor Polizei machen sie zu den schnellsten auf der Interstate. Tesla gibt knapp 2 kWh/Mi
bei 40 Tonnen Gesamtgewicht an, was als 125 kWh/100km durchaus glaubhaft klingt.
Dann muss man aber auf den 500 Meilen ohne Nachladen von Fremont nach San Diego Batterien mit ca. 1.000 kWh an Bord gehabt haben. Das wären dann schon 6 bis 7 Tonnen zusätzliche Last. Und so viel
leichter als ein Dieselmotor mit Getriebe sind die drei Tesla-Antriebe nun auch wieder nicht, zumal ja noch Etliches vor der Steuerung hinzukommt.
Reichweite im Winter? Im mittleren Westen kann es bis zu -40°C kalt werden. |
Wohl aus gutem Grund gibt man bei Tesla kein Eigengewicht des Semi-Trucks an. In Europa würde eine so große Batterie eine empfindliche Reduktion der Nutzlast bedeuten. Außerdem müsste, auch wegen
dem komplizierten Antrieb, eine Sattelzugmaschine immer zwei Hinterachsen haben.
Aber die Tesla-Freunde jubilieren, leider ohne die Entwicklung auf dem Lkw-Markt in Europa zu kennen. Als wenn es hier keine vollautomatisch schaltenden Getriebe gäbe, weder ESP noch Traktionskontrolle
oder Retarder bzw. dritte Bremse. Man muss sich auch fragen, ob die dreifache Leistung, allerdings als Peak gemessen, für einen Lkw überhaupt sinnvoll ist.
| Warum sind voll beladen etwas über 20 Sekunden von 0 auf 100 km/h nötig? |
Man hat einfach genommen, was man schon hatte und hat auch noch einmal von Motoren des Modell 3 auf solche des Model S aufgestockt. Der nur im Highway-Modus allein arbeitende Antrieb auf der letzten
Achse hat noch nicht einmal ein Ausgleichsgetriebe. Und was kostet das Ganze bei so einer Ausstattung? Vermutlich ist der Preiskampf in USA ja noch härter.
Angeblich will Elon Musk auch noch den Auflieger revolutionieren, wiederum fast undenkbar für Europa, wo diese oft gewechselt werden und es drei große Produzenten gibt. Man kann ahnen, wie viele kleinere
und wie viele es weltweit gibt. Übrigens unter den zehn größten Lkw-Herstellern kommen nur drei aus Europa.
Hat Elon Musk das eigentlich nötig, ein Laden von 400 Meilen Reichweite in 30 Minuten anzugeben? Bei den ebenfalls von Tesla angegebenen 2 kWh/Mi wären das 800 kWh. Da braucht man selbst bei 1.000
kW 48 Minuten. Und natürlich fällt jede Ladekurve mit der Zeit deutlich ab. Anscheinend kann man Tesla-Fans alles erzählen.
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