Wasserstoff 3

Nein, hier geht es nur am Rande um die Vor- und Nachteile von Wasserstoff-Bussen. Auch grüner und grauer Wasserstoff soll hier nicht unterschieden werden. Bewertet werden zwei Busse bezüglich ihrer
Tauglichkeit als Wasserstoff-Busse.
Beginnen wir mit dem 'Bus Of The Year 2025', dem Solaris Urbino 18 hydrogen, der unserer Meinung nach dem Label am besten gerecht wird. Wie alle seiner Zunft ist er zunächst einmal ein E-Bus, hier sogar
in seiner konventionellsten Ausführung.
Das bedeutet, man hat den Dieselmotor entfernt und an dessen Stelle einen überraschend starken E-Motor eingesetzt. Andere z.B. Lkw-Hersteller setzen da auch schon einmal mindestens zwei Motoren ein,
weil man offenbar Schwierigkeiten hat, so einen starken Motor zu finden.
Es ist ein 240-kW-Motor von der Fa. Medcom in Warschau, mit der Solaris in Polen zusammenarbeitet. Die Lithium-Titanium-Oxid-Batterie ist, typisch für Fahrzeuge mit
Brennstoffzelle, mit 60 kWh relativ klein ausgefallen.
Ballard ist ein altbekannter Hersteller von Brennstoffzellen, mit dem Mercedes auch schon in früheren Jahren zusammengearbeitet hat. 100 kW Leistung hat sie und eine Lebensdauer >30.000 Stunden.
Braucht der Motor mehr Leistung, entnimmt er das aus der Batterie.
Im Gegensatz zum Pkw wird mit bis zu 350 bar gearbeitet, was für Tankstellen nur für diese Klientel geringeren Aufwand bedeuten würde. Die Tanks befinden sich auf dem Dach und sind modular. In voller
Ausstattung sind laut Herstellerangabe über 600 km Reichweite möglich.

Dann wollen wir Ihnen noch den eCitaro mit Brennstoffzelle vorstellen. Im Gegensatz zu Solaris verfügt der Mercedes über eine E-Achse von ZF, die sich auch noch einmal von der im eActros unterscheidet.
Vermutlich war hier das Konzept des Niederflurbusses entscheidend.
Der rein elektrische und der mit Wasserstoff betriebene Citaro unterscheiden sich recht wenig voneinander. So machen die 295 kWh etwa die Hälfte der 588 kWh des reinen eCitaros aus. Im Prinzip tankt man
Wasserstoff, muss aber im Depot für die maximale Reichweite auch noch Strom nachladen.
Man kann sogar noch Strom aus Wasserstoff nachladen, was uns dann allerdings vollends sinnentleert scheint. Bei den geringen Mengen an Wasserstoff, 6 Tanks mit insgesamt 30 kg, sinkt natürlich die
Reichweite auf 480 km laut Hersteller.
Überhaupt wundern einen die zugrunde gelegten 6,3 kg/100km. 40-Tonner kommen unter ungünstigen Umständen auf das Doppelte, wobei auch der Wasserstoff-Bus von Mercedes auf 20 Tonnen zulässiges
Gesamtgewicht kommt, aber noch eine wesentlich aufwendigere Heizung braucht.
Dabei kann der Mercedes trotz seiner umfangreichen Batterie-Ausstattung noch als leicht gelten, den der Solaris kommt auf 29 Tonnen, wohlgemerkt immer nur als Solo-Bus. Trotzdem müsste man diesen
eCitaro als Bus mit Wasserstoff betriebenem Range Extender bezeichnen.
Oder man schaut genauer hin und entdeckt, dass Mercedes eine Abart der Brennstoffzelle des Toyota Mirai benutzt und nicht wie früher von Ballard. Und die jeweils 5 kg fassendenden Tanks kommen einem
ebenfalls so vor, als wären sie vom Pkw entlehnt. Was würden Sie daraus schließen?
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