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Psychologie - Verantwortung 1



Man muss nur Jahr(zehnt)e im Schuldienst gearbeitet haben, dann ist man die Phrasen so leid. Solche allein durch Worte gebildete Horizonte sind genau die Spannbetttücher, unter denen sich wenig motivierte Schüler/innen gern versammeln. Gehen Sie den pädagogischen Prozess nur hoch genug an, Sie werden sehen, wo sie in der harten Wirklichkeit landen!

Und was wäre eine Antwort auf so einen Rundumschlag? Ganz klar, das ist wieder so ein Verbitterter, der Schüler/innen als kleine Nichtsnutze ansieht und auch sonst noch bedingungslos alten Zeiten anhängt. Die hat es immer schon gegeben, den Untergang der Welt prophezeiend und doch nie Recht behaltend. Irgendwann fällt der Begriff: 'Ewig Gestrige(r)'.

Können Sie sich so eine 'Diskussion' vorstellen, wo sogenannte Theoretiker und selbsternannte Praktiker voneinander genervt sind. Nein, so richtig dazwischen stehe ich auch nicht, muss schon zugeben, dass ich etwas mehr zum Skeptizismus neige. Wenn ich handwerklich arbeite, habe ich nicht so viele Skrupel, neue Wege zu gehen.

Vielleicht haben mich ja doch die Schul-Oberen auf dem Gewissen, so dass ich (fast) keiner Schulreform mehr traue, besonders, wenn sie sich selbst als radikal bezeichnet. Meiner Meinung nach verträgt die Schule keine radikale Reform, weder die Lehrer/innen noch die Schüler/innen. Schauen Sie sich real-existierende Lebensverläufe an, da ist frei gewählte Radikalität äußerst selten.

Sie werden natürlich argumentieren, dass dies typisch für das Verhalten der anderen ist, den Menschen so etwas ausreden bzw. dagegen arbeiten. Aber Rat nimmt man doch auch heute noch von Leuten an, denen man vertrauen kann und die es gut mit einem meinen. Die würden einen doch nie um die Chancen einer radikalen Veränderung bringen. Und nicht nur, weil ihnen das später einmal vorgeworfen werden könnte.

Schauen Sie sich den Partner des Geistes, den Körper an. Es gibt kaum ein konservativeres Konstrukt. Das allerdings begreift man eher, wenn man älter ist. In der Jugend geht man darüber hinweg, gern vielleicht auch bis an die Grenzen und bisweilen auch darüber hinaus. Wenn wir dieses Prinzip auf den Unterricht übertragen und dem/der Lehrer/in noch immer die Hauptverantwortung für den Unterricht zuordnen, da kann sich radikale Veränderung rasch als Scharlatanerie entpuppen.

Unterschätzen Sie Schüler/innen nicht. Die können noch so schläfrig wirken, aber trotzdem in der Lage sein, die Situation relativ 'cool' zu analysieren. Kann man ihnen vorwerfen, dass sie sich meist wie ein menschlicher Körper verhalten, der auf seine Gewohnheiten pocht. Gewiss, es muss einem bisweilen als Lehrerer/in gelingen, sie aus der Reserve zu locken, sonst sollte man den Beruf aufgeben.

Sagt sich auch sehr leicht, wenn z.B. das Studium eine absolute Einbahnstraße ist, auch heute noch. Schauen Sie einmal, welche Berufe für umsattelnde Lehrer/innen übrig bleiben. Und dagegen dieser hämmernde Ton der Reformer/innen. 'Talente voll zur Entfaltung bringen' ist noch einer der harmloseren Sprüche. Als wenn das Talent nur darauf gewartet hätte, dass ich als Lehrer daherkomme.

Kennen Sie das Problem mit den Hochbegabten? Bisweilen verzweifeln die Lehrer/innen in den Fächern, in denen die nicht hochbegabt sind. Wissen Sie, wozu die 'volle Entfaltung der Persönlichkeit' z.B. in einem Betrieb nicht selten führt? Wie wäre es mit ein wenig Zurückhaltung? Warten auf den günstigsten Moment, eine Idee zu lancieren. Mich hat erschreckt, dass nur 10 Prozent der Startups überleben.

Das kommt davon, wenn man den überall erkennbaren Trend nach Selbstverwirklichung auch noch unterstützt. Könnte man die Erbosten die Gesellschaft nicht zumindest teilweise einer Gruppe zuordnen, die meint, ihr stünde etwas mehr Selbstverwirklichung zu, sozusagen von außen zuweisbar? Ist es nicht. Muss meistens gegen Widerstände erkämpft werden. Kann nicht durch Schreihalsigkeit ausgeübt werden.

So ein Schulfach wie 'Verantwortung' regt mich schon durch die bloße Benennung auf. Man muss den Machern/innen zugute halten, dass sie dieses 'Fach' aus der Schule herausziehen, also die Schüler/innen sich Projekte suchen lassen. Sorry, aber das Wort 'Projekt' hat auch so einen Beigeschmack, so sehr man das Schnuppern in einen möglichen zukünftigen Beruf begrüßen muss.

Aber wenn das so weiter geht, gibt es demnächst 'Verantwortung' auf Rezept. Hat man sich wirklich damit beschäftigt, was der Begriff eigentlich bedeutet und welche Tragweite der hat? Kann man sich im Prinzip exakt für ein Jahr je einen Tag in der Woche verantwortlich fühlen und schon zu Beginn wissen, dass man als Schüler/in der Oberstufe dann aufhören muss, weil irgendwann man für's Abitur büffeln muss und es eine(n) danach zum Studium anderswo hinzieht?

Ich habe versucht, nur für eine begrenzte Zeit in einer Partei mitzuarbeiten. Neun Jahre hat es gedauert, bis ich es für mich verantworten konnte, die Arbeit dort zu beenden. Und überhaupt, wo bleiben denn die Hauptverantwortlichen? Was sagen oder tun denn die Eltern dazu, eines der völlig ungelösten Probleme an Schulen, diese zumindest teilweise mit einzubeziehen. Ist das denn verantwortungsvoll, wenn die Schule suggeriert, etwas leisten zu können, was sie eigentlich nicht leisten kann?

Stattdessen diese elenden Überhöhungen, dass sich bei so einem Projekt 'Metakompetenzen entwickeln wie Selbstorganisation, Impulskontrolle, Folgenabschätzung, Perspektivwechsel, Mut, sich auf Fremdes einlassen, Vertrauen in Unbekanntes, Vertrauen in die eigene Kraft'. Sind Sie noch da, oder hat Sie dieses unbändige Vetrauen in die Kraft nur eines einzigen Projektes erschlagen?

Dabei habe ich einmal gelernt, dass Lernziele möglich so formuliert sein müssen, dass sie überprüfbar sind.

Zitate: Weiter. Denken. Ordnen. Gestalten. Mutige Gedanken zu den Fragen unserer Zeit.
Margret Rasfeld: Plädoyer für ein radikal neues Bildungsmodell
Herausgegeben von der Alfred Herrhausen Gesellschaft







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