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Ferdinand Porsche 2



kfz-tech.de/YVW1106

Ferdinand Porsche wechselt 1923 zu Daimler nach Stuttgart und kauft im gleichen Jahr für sich und seine Familie eine Villa in Stuttgart-Feuerbach. Insgesamt muss man aber sagen, dass Porsche bei Daimler in Stuttgart einen noch schwierigeren Job antritt. Ganz zu Beginn lacht ihm jedoch das Glück. Er darf sich der Konstruktion seines Vorgängers annehmen und diese zum Erfolg führen.

Der ist Paul Daimler, Sohn des Firmengründers, der die Firma 1922 im Zorn verlassen hat und zu Horch gewechselt ist, wo er endlich die Achtzylinder bauen darf, die ihm in Stuttgart verwehrt wurden. Er hinterlässt das Kapitel 'Kompressor' in einem 2L-Vierzylinder, der unter Porsches kundigen Händen den letzten noch fehlenden Schliff erhält.

Ca. 50 kW (68 PS) ohne und 93 kW (126 PS) mit Kompressor bei 4500/min künden von dem Potential, dass man in dem Zusatzgerät gesehen hat. Und so können Christian Werner und Max Sailer ein Jahr nach Porsches Eintritt bei Daimler Stuttgart einen Sieg bei der Targa Florio erreichen. Aber das war es auch schon, woran sich Ferdinand Porsche erfreut haben mag.

Deutschland gesundet nur langsam nach der Inflation mit Höhepunkt 1923. Außerdem nimmt die Regierung bewusst Schutzzölle weg, die bisher z.B. die weit überlegene amerikanische Konkurrenz außen vorgehalten haben. Es ist die Stunde der Banken, zu retten, was noch zu retten ist. Schon länger grassiert auch in Stuttgart die Idee einer Fusion mit dem bisher ärgsten Feind, der Benz & Cie.

Wir können uns an dieser Stelle kurzfassen, die Fusion kommt, wenn auch mit Hindernissen 1925/26. Aber durch Kapitalbereinigung und Aktientausch sind danach nur noch zwei Drittel der Betriebsmittel übrig. Noch stärker schrumpft der gemeinsame Umsatz beider Firmen. Das Produktportfolio wird eher eingeschränkt statt z.B. um einen konkurrenzfähigen Kleinwagen erweitert.

Die vom Vorstand geplante Entwicklung eines 1,3L-Modells kommt nicht zustande. Ironie des Schicksals, als es nach einer kurzen Besserung zur Weltwirtschaftskrise mit noch mehr Rückschlägen kommt, wird bei Daimler-Benz ein Fahrzeug mit Heckmotor bis hinunter zu 1,3 Liter Hubraum aufgelegt, allerdings ohne Erfolg.

Auch der (Ehren-)Doktortitel von Porsche wird in Deutschland nicht anerkannt. Da muss erst die Universität Stuttgart mit einem weiteren, ehrenhalber verliehenen nachlegen. Auf sein Konto gehen mit Sicherheit die Modelle K bis SSKL. Aber er hat längst nicht mehr so ein Alleinstellungsmerkmal wie einst bei Austro Daimler. Von Benz ist Hans Nibel hinzugekommen, der einige Meriten mitbringt.

Viel Lkw-Technik wird jetzt von Benz bearbeitet. Dazu zählt auch das legendäre Vorkammer-Verfahren von Prosper L'Orange und dessen Weiterentwicklung. 1927 kommt Daimler-Benz mit dem ersten Diesellastwagen ohne Kompressor. Ein wohl leicht manipulierter Test mit einer ganzen Reihe von Neuwagen, die Porsche nicht zum Laufen bringen kann, führt 1929 zum Eklat. Der Vorstand gibt ihm die Schuld, er wiederum dem Einkauf, der seiner Meinung nach zu schwache Batterien beschafft habe.

Es folgt ein Jahr bei den Steyr-Werken, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Austro-Daimler übernommen werden. Es ist die Zeit, in der sich der berüchtigte 'Schwarze Freitag' von 1929 mit seinem Börsencrash auch und besonders auf Europa auswirkt. Porsche wechselt in den Vorstand der Steyr-Werke.

Das erweist sich zwar als Fehlgriff, weil diese gerade u.a. mit Austro-Daimler zusammengeschlossen werden und er nun wieder mit denen zu tun hat, die er einst verlassen hat, aber andererseits jetzt wichtige Mitarbeiter wiedertrifft, die er in sein 1930 gegründetes Konstruktionsbüro in Stuttgart mitnimmt.

Das müssen schwierige Zeiten in der 1930 gegründeten, eigenen Firma gewesen sein. Seine Tochter Luise hat inzwischen den Wiener Rechtsanwalt Anton Piech geheiratet, der sich mit 15 Prozent an der neuen Firma beteiligt, mit ebenfalls 15 Prozent Adolf Rosenberger. Die Tatsache, dass er jüdischer Abstammung ist, wird in der folgenden NS-Zeit noch eine Rolle spielen.

Zwölf bewährte Mitarbeiter aus der vorigen Position von Porsche kommen also mit in die Firma, sowie Ferry Porsche nach dessen einjähriger Lehrzeit bei Bosch. Die Bedingungen müssen, besonders aus heutiger Sicht, sehr hart gewesen sein. Lange Arbeitstage z.T. sogar bis in den Sonntag hinein, und das zwar mit Unterkunft und Verpflegung, aber fast keiner Bezahlung.

Aber es muss auch eine fast einmalige Stimmung geherrscht haben. Zu sehen vielleicht an dem Projekt Zündapp (Bild unten), wo man zusätzlich zu etwas später mit NSU bei absehbar zurückgehendem Zweiradmarkt die Chancen für einen Kleinwagen ausloten will. Porsches Sekretär, sein Neffe Ghislaine Kaes, notiert es in dem Buch 'Der Käfer II' von Dr. Hans-Rüdiger Etzold als dessen sechstes Kleinwagen-Projekt.

Porsche Typ 12 - Nachbau im Museum für Industriekultur Nürnberg


1,2L-Fünfzylinder-Sternmotor, 70 mm * 62 mm, 4G.-Getriebe vor, Motor hinter der Hinterachse, 19 kW (26 PS), Wasserkühlung, Radstand 2.500 mm, Aufhängung an quer angeordneten Blattfedern, 3.300 mm lang, 1.420 mm breit, 1.500 mm hoch, ca. 900 kg, 80 km/h, Baujahr 1932.

Porsche Typ 32


Vierzylinder-Boxermotor, 1.470 cm3, 80 mm * 72 mm, 4G.-Getriebe vor, Motor hinter der Hinterachse, 20,5 kW (28 PS) bei 3300/min, Luftkühlung, Radstand 2.600 mm, Längslenkr vorn, Pendelachse hinten, Drehstabfedern, ca. 870 kg, 90 km/h, Bauzeit 1933/34.







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