Die Bahn im Dritten Reich 1

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Immerhin sind schon fünf Bücher vollendet und schon im Buch 'Modellbau 2' haben wir uns dem großen Vorbild der Modellbahn zugewandt, exakt in vier Kapiteln zur ICE-Entwicklung. In
'Modellbahn 3' ging es dann in die Geschichte.
Das war dann schon der Beginn der Eisenbahn bis 1920, als wir uns in drei Kapiteln mit der 'Bayerischen Staatsbahn' beschäftigten. Die Fortsetzung erfolgte in zwei weiteren Kapiteln zu
diesem Thema in 'Modellbau 4'. Hinzu kam hier der Orient Express.
'Modellbau 5' ging dann in drei Kapiteln auf die aktuellen Probleme der Deutschen Bahn ein. Warum listen wir das hier auf? Weil es in diesem Kapitel um ein Thema geht, wo es einmal
nicht um die großen technischen Erfolge oder Probleme zurzeit gehen soll.
Schließlich ist Deutschland immer noch dabei, die Geschehnisse hin zum Zweiten Weltkrieg zu verarbeiten, u.a. den Nazi-Terror. Und da hat die Deutsche Reichsbahn entscheidenden
Einfluss gehabt. Ohne sie hätten niemals so viele Juden in die Konzentrationslager transportiert werden können.
Und denken Sie nur an die Unterstützung für die Wehrmacht. Wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass die Bahn damals eine wesentlich größere Bedeutung als heute hatte, quasi das
Transportmittel für Güter über lange Strecken war.
Und wie Güter wurden die Juden behandelt. Hundert bis sogar zweihundert Menschen wurden in einfache Güterwaggons eingepfercht, ohne Nahrung, Wasser oder gar Toiletten, später
sogar noch ohne Dach über dem Kopf, überhaupt nicht wissend, wohin die Reise ging und wann sie enden würde.
Der Hauptzugriff der Nazis auch auf die Eisenbahn erfolgt nach der Machtergreifung am 1. Mai 1933. Ausgerechnet dieses symbolträchtige Datum für den Kampf der Arbeiterklasse nutzen
die Nazis zu einer Feier zusammen mit den Unternehmern. Und erstaunlicherweise weigern sich die Gewerkschaften nicht.
Einen Tag später werden Gewerkschaftshäuser und deren nicht unbeträchtliche Gelder von SA und SS geplündert, was z.B. den Bau des VW-Werks im späteren Wolfsburg
ermöglicht hat. Und damit endet auch die Tätigkeit von Gewerkschaften bei der Deutschen Reichsbahn.
Erstaunlicherweise gedenken wir heutzutage nur bestimmten Widerstandskämpfern/innen allgemein, nicht aber bei der Eisenbahn. Wo doch eigentlich das System eher zu stören wäre,
kursieren auch hier Geschichten eher von der sehr gefährlichen Verteilung von Flugblättern.
Spektakulär herbeigeführte Unglücke von Eisenbahnen bleiben aus, zumindest im Reichsgebiet, außerhalb schon eher, wie die Sprengung einer Drehscheibe in Dijon (Frankreich) die eine
große Anzahl von Loks unzugänglich macht, aber nur für relativ kurze Zeit.
Vielleicht war aber für potentielle Attentäter/innen der Gedanke unerträglich, eigene Leute könnten dabei den Tod finden. Dafür muss es wohl sehr viele Sabotageakte gegeben haben, über
die wir jedoch nur von den Verfolgern solcher Aktivitäten erfahren.
Allerdings wird bei der Bahn schon die Gesinnung von diesen nicht selten erschnüffelt. Werden Sie als Nazi-Gegner erkannt, verlieren sie ihren Job. So sind auch kurz nach dem 2. Mai
1933 sehr viele Braunhemden bei der Bahn willkommen geheißen und angelernt worden.

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