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Mobilität - Stadtauto



Die Mobilität in der Stadt wird in den letzten Jahren für meinen Geschmack etwas zu sehr betont. Damit zusammen hängt das sogenannte 'Stadtauto', von dem wohl niemand so recht weiß, wie es wirklich aussieht und wie es denn genutzt werden soll. Dagegen setzen z.B. die Gegner/innen der E-Mobilität die Fahrt auf der Langstrecke, wo aber auch nicht so recht klar wird, ob die nun beruflich oder privat durchgeführt wird.

Und auch die Menschen, die in Städten leben und vermehrt mit dem Flugzeug auf Reisen gehen, benutzen sehr häufig die dritte Dimension der Mobilität, nämlich das Transportwesen. Jeder Klick bei Amazon löst eine ganze Kette von Aktionen aus, über die wir uns eigentlich noch nicht genügend Gedanken machen. Im Gegenteil, wir sollen das als einfach und angenehm empfinden.

Verrückt, dass, wenn der Durchschnittsmensch an urbane Mobilität denkt, ihm vielleicht der Einkauf in den Sinn kommt: Mode zum Anfassen, Bücher, auf deren Existenz man erst in der (um ein Café erweiterten) Buchhandlung stößt. Stimmt aber nicht, sagen die Experten und verweisen auf die Gruppe der Pendler/innen.

Daraus kann man messerscharf schließen, dass ein Stadtauto gar kein solches sein muss. Es müsste eigentlich als werktäglich genutztes, nicht allzu umfänglich gestaltetes Auto höchstens mit heute eher als mittelgroß angesehener Batterie bezeichnet werden. Selbst der Begriff 'Zweitauto' ist fragwürdig, auch wenn es das zweite ist und das andere eher für den Familientransport geeignet.

Trotzdem ist dieses Fahrzeug schon das, wovon uns die Hersteller von E-Fahrzeugen überzeugen (wollen). Es hat z.T. inzwischen so viel Kapazität, dass es noch nicht einmal unbedingt täglich geladen werden muss und zusammen mit der Möglichkeit, in der Firma geladen zu werden, eine Reichweite, die wohl fast alle Bedürfnisse von Pendlern/innen abdeckt.

Das oben beschriebene Szenario kann sich also gut im ländlichen Raum, bis hin zu Mittel- und kleineren Großstädten abspielen. Wird es aber richtig groß, dann wird aus dem verfehlten Begriff des 'Stadtautos' ein Gesamtkonzept, von dem dieses eine (kleine?) Teilmenge abdeckt. Hier entstehen also die ganzen Szenarien der gesteigerten Unterhaltung im Auto oder beschränkter Arbeitsmöglichkeiten.

Es wäre nach wie vor eine Art Kabine, deren mögliche Insassen wir selbst bestimmen. Nun gut, sie stünde entweder zeitweise im Stau, oder wäre ferngesteuert, dafür aber entsprechend langsam. Denn die Ereignisse in einer Großstadt lassen sich auch in Zukunft schlecht beeinflussen. D.h. Störungen des Verkehrsgeschehens werden auch weiterhin vorkommen.

Stellen Sie sich nur unauflösliche Situationen zwischen ferngesteuerten Kabinen ohne Lenkrad vor. Wie lange dauert es heutzutage, bis Störungen im Zugverkehr restlos aufgelöst sind? Und das sind noch nicht einmal fahrerlose Systeme. Sicher, in der Großstadt wird man schneller wirkende Zugriffe ermöglichen, aber eine größere Durchschnittsgeschwindigkeit ist wohl nicht zu erwarten. Warum sonst werden die uns immer noch als utopisch erscheinenden Lufttaxen weiterentwickelt?

Also, wir bewegen uns im Prinzip langsam durch die Großstadt und nehmen dadurch evtl. vorkommende Staus nicht wirklich wahr. Übrigens geschieht dies nachhaltiger als beim Verbrennungsmotor, der immer noch in den meisten Fällen mit Start-Stopp immer wieder ein wenig weiter vorrückt. Diese Effizienz ist wichtig, denn sie beeinflusst die nötige Kapazität der Batterie und damit die Kosten des E-Autos.

Also, schneller wird es wohl kaum gehen. So muss es im Gegensatz zum ÖPNV trotzdem noch entscheidende Vorteile geben, sonst werden die neuen E-Autos nicht gekauft. Denn, eine U-Bahn könnte sich dann noch klarer als deutlich schneller entpuppen. Was setzt dieses E-Auto dagegen? Den Komfort. Als erstes den, dass man mit der gleichen Kabine durch die Stadt aber auch ohne Umsteigen bis vor die Haustür fährt.

Kein Warten auf zugigen Bahnsteigen oder in unterirdischen Gewölben. Keine endlos langen Rolltreppen. Und ein erst in jüngster Zeit hinzukommendes Argument überragt vielleicht die anderen, eine gewisse Sicherheit vor Terrorismus, der sich ja gerade dort breitzumachen scheint, wo er eine größere Menge von Menschen mit in den Tod nehmen kann.

Bleiben wir beim Komfort, fügen noch die Klimatisierung hinzu und betrachten kurz den Unterschied zwischen Fahrern und Beifahrern. Ist Ihnen schon einmal bewusst geworden, wie anders letztere das Geschehen während der Fahrt wahrnehmen? Als besonders schlimm empfand ich das als Beifahrer in einem wirklich schnellen Sportwagen. In neuster Zeit soll es mehr Menschen geben, die mit der enormen Beschleunigung z.B. eines Tesla nicht zurechtkommen.

Wenn man selbst fährt, ist das bei weitem nicht so schlimm. Natürlich ist übergroße Beschleunigung in der Stadt nicht das Problem. Aber eine mögliche Langeweile schon. Genau hierin steckt der Grund für die vielen Apps und Infotainment-Geschichten, die uns in letzter Zeit angeboten werden. Zwischenfazit: Wir werden nicht schneller sein, aber vielleicht die verlorene Zeit weniger vermissen.

Es ist schon reichlich verrückt, diesem E-Auto, das wir hier zeitweise als Kabine bezeichnet haben, auch noch so etwas wie 'Fahrspaß' zuzuordnen. Aber stellen Sie sich ein Autohaus vor, das nur noch Arbeitsgeräte verkauft. Der wäre noch grotesker in einem dieser neuen Shops mit fast nur noch virtuellen Fahrzeugen. Selbst ordinäres Werkzeug aus dem Baumarkt weiß heute schon, durch Aussehen zu punkten. Wird es durch ein anderes Design nicht wesentlich teurer, dann wird jeder Hersteller der Welt diesen Weg wählen.

Jetzt ergibt sich natürlich die Frage, ob die immer wieder propagierten Ingenieur-Lösungen die Antwort darstellen. Immerhin haben diese eine für ein so kleines Auto pefekt aussehende aerodynamische Bilanz. Ob allerdings zwei Plätze plus Gepäckraum das Nonplusultra darstellen oder vielleicht ein der Durchschnittsfamilie angepasster dritter Klappsitz besser wäre, lassen wir jetzt einmal dahingestellt.

Ob auch der neuste Trend, nämlich möglichst viele reale Bedienelemente einzusparen, hier von Vorteil ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Stellen Sie sich nur solche Fahrzeuge im Caresharing vor und man müsste selbst das Handschuhfach über Touchscreen öffnen. Sicher, die Befürworter/innen sagen, dann könne man es leichter sperren. Ist richtig, aber geht auch mit einem klassischen elektrischen Schalter. Nein, ein Bedienkonzept, das erst noch erklärt werden muss, birgt die Gefahr des Losfahrens ohne Kenntnis desselben.

Eigene Navigation trotz deren Vorhandensein im Smartphone ist OK, die neue Oberflächenheizung scheint ein Knüller zu sein, weil sie mit Wärmestrahlung statt -leitung arbeitet. Sie ist im Nu da, braucht kein Vorheizen und suggeriert mehr Wärme, als in der Kabine wirklich vorhanden ist. Alles, auch die Wärmepumpe, die den Stromverbrauch senkt, ist von größter Wichtigkeit. Stellen Sie sich nur einen Stau vor, in dem ihre Reichweite beständig sinkt, wie bei einem untergehenden Schiff.

Allerdings sind Elektroautos relativ teuer und werden es bei gesteigerter Effizienz wohl auch bleiben, so dass man besser auch auf Leute zielt, die sich 'nur' ein Auto leisten können. Und da ist so ein 'Stadtauto' natürlich ungeeignet. Die Ingenieure/innen von Mahle haben sich für ihr Konzept (Bild oben) einen Antrieb mit 'nur' 20 kW Dauer- und 30 kW Spitzenleistung einfallen lassen. Das lässt sich mit einem 48V-System kombinieren, dass frei von Sicherheitsbestimmungen wesentlich günstiger herzustellen und zu warten ist.

So weit eigentlich, auch so gut? Nicht ganz. Man merkt den Umgebungsvariablen an, dass man bei der Konzeption das Gefühl hatte, der sogenannte 'Fahrspaß' könne auf der Strecke bleiben. Das ist die Triebfeder, die beim Verkauf eines solchen Autos die finale Entscheidung beeinflusst. So hat man also ein Touchscreen der neusten Generation sogar mit Gestensteuerung vorgesehen und hat alles, was der moderne Mensch an Connectivity braucht.


Und da es ohne wirklich vorzeigbare Beschleunigung offensichtlich nicht geht, sind an der Hinterachse zwei Motoren vorhanden, was eine Spitzenleistung von 60 kW (82 PS) ergibt. Man kann sich vorstellen, wie unsinnig sportlich die mit diesem Floh umgehen, zumal E-Motoren auch mit nur 48V anders zupacken als Verbrenner. Womit wir wieder bei der Beschleunigung wären. Was lernt man daraus? Nur Vernunft scheint heutzutage absolut unverkäuflich zu sein.







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