Produktion 2

Das ist eine Zeichnung der Zugmaschine von Kenn und Beth Zelten. Sie werden beide im Video von Volvo Trucks North America unten als 'Professional Drivers' bezeichnet. Gewisse Ähnlichkeiten mit
einer anderen, in diesem Buch vorkommenden Person sind nicht auszuschließen, denn im Kapitel Dachzelt hatten wir schon einmal jemanden, der ausschließlich in seinem Auto bzw. darüber lebte.
Sie ahnen es, Ken und Beth Zelten haben ihre Wohnung aufgegeben und leben seit 2012 ausschließlich in ihrem Truck, natürlich ein Volvo. Den ersten kauften sie 1989. Inzwischen ist Kermit amerikaweit
bekannt und das Ehepaar spezialisiert auf lange Touren, länger noch, als diese eh' in Amerika bekannt sind. Noch extremer sind Jon und Miriam Brown, aber schauen Sie selbst.

Wir wollen uns die amerikanische Variante der Lkw- pardon Truck-Produktion in Dublin/Virginia ansehen und mit der deutschen vergleichen. Auffällig ist zunächst die gleiche Vielfalt bei den Farben. Wer einmal für
einen
Hersteller Werbung gemacht hat, weiß, wovon hier die Rede ist. Da wird für mehrere bei der Firma vorkommenden Farben sogar der RAL-Code vorgeschrieben.
Keine Überraschung ist, dass der Anteil der Trucks am Güterverkehr mit über 70 Prozent ziemlich exakt dem auch für Deutschland prognostizierten entspricht. Trucks können nach vorne beinahe beliebig
ausladend gebaut sein, da nur die Länge des Aufliegers begrenzt ist. So ist z.B. eine riesige Fronthaube und eine sehr hohe Kabine mit zwei breiten Doppelbetten und sogar kippbarem Teil möglich.
Die Sechszylinder sind vom Hubraum her etwas größer und reichen bis 400 kW. Sie haben zwar Common Rail und vier Ventile, aber nur eine obenliegende Nockenwelle im Gegensatz zu zweien z.B.
beim Actros. In den USA gehören Lkw zu den schnellsten und bisweilen sind sogar bis 80 m/h (128 km/h) erlaubt, auch für Lkw. In Texas soll es ein Stück Autobahn mit max. 85 m/h geben.
Große Unterschiede bei der Fertigung des Rahmens und Fahrwerks gibt es nicht. Auffällig ist der hohe Frauenanteil, auch bei etwas schwereren Arbeiten. Mehr Handarbeit ist auch für die
Zusammensetzung der Kabine nötig. Sie ist offensichtlich zu groß für ein Tauchbad, das alle Hohlräume durchfluten würde. Die Decklackierung weist wieder große Ähnlichkeit auf.

Alle Motoren werden allerdings nur kalt getestet. Einen Warmlauf unter voller Leistung gibt es nur stichprobenartig. Sie werden auch lackiert, bei Volvo allerdings traditionell grün. Die Kisten mit Teilen für
die Endmontage sind aus Holz und wesentlich größer. Allerdings ist auch hier noch menschlicher Eingriff nötig. Bisweilen muss wegen fehlender Teile am Band sogar improvisiert werden.
Groß werden die Unterschiede gegen Ende der Fertigmontage. Z.B. wird eine Frontscheibe nicht geklebt, sondern althergebracht mit der Schnur eingezogen. Auch automatische Tests auf
Rollenprüfständen gibt es nicht. Stattdessen wird von einer einzigen Person, die sich per Aufkleber ausweist, alles abgenommen und der Wagen schließlich auf der Testbahn probegefahren.
Für Deutschland absolut ungewohnt erfolgt die Auslieferung in dem weiten Kontinent. Die neuen Trucks werden mit einfachem Gestänge zu maximal vier Exemplaren so in der richtigen Reihenfolge
miteinander verbunden, dass sie, der jeweils letzte zuerst, an die Kunden ausgeliefert werden können, Rückweg vom letzten Kunden per Flugzeug.
Generell fällt im deutschen Lkw-Werk immer wieder die unglaublich stark greifende Kontrolle auf. Das ist in USA etwas lascher, aber auch hier gibt es an entscheidenden Stelle Registrierungen, ob und
mit welchem Drehmoment angezogen wurde. Das Werk fertigt allerdings 'nur' ca. 100 Fahrzeuge pro Tag mit 3.500 Mitarbeitern/innen, 500.000 seit Ende der 70er.
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