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 Überlagerungslenkung




Es gibt Getriebe, die haben nicht nur je einen Ein- und Ausgang, sondern insgesamt deren drei, wobei nicht klar ist, welche davon nur Aus- und welche Eingänge sind. Einfachstes Beispiel ist der Achsantrieb eines Kraftfahrzeugs. Hier kommt das Drehmoment vom Getriebeausgang und wird auf die beiden Antriebsräder verteilt.

Die dazu passende Konstruktion kann ein Verteilergetriebe mit Kegelrädern oder auch eins mit Planetenrädern sein. Und genauso eins benutzen wir jetzt hier zur Überlagerung der Lenkung. Es gibt hier also neben dem von der Lenksäule bzw. dem Lenkrad kommenden Eingang noch einen zweiten, computerkontrollierten Elektromotor.

Damit kommen wir zu dem Begriff 'Aktivlenkung', die z.B. für das autonome Fahren sehr wichtig ist. Die hier beschriebene gehört mit Sicherheit dazu. Natürlich hat auch die schon beschriebene elektrische Servolenkung aktiv in das Lenkgeschehen eingegriffen. Bei ihr würde sich dann das Lenkrad sozusagen von selbst drehen, während die Überlagerungslenkung auch lenken könnte, wenn der/die Fahrer/in das Lenkrad festhält.

Der entscheidenste Unterschied ist aber, dass die elektrische Servolenkung nur verstärken oder alleine lenken kann, während die Überlagerungslenkung im Laufe einer normalen Betätigung das Übersetzungsverhältnis ändert. Will heißen, Sie fahren durch die Stadt und können mit nur einer Umdrehung am Lenkrad die Vorderräder voll einschlagen. Gehen Sie danach auf die Autobahn, so würden Sie schon eine halbe Lenkradumdrehung brauchen, um nur die Spur zu wechseln.

Das zuständige Steuergerät hat also die Geschwindigkeit als Parameter genommen, um die Übersetzung zwischen Lenk- und Schwenkwinkel zu ändern. Natürlich begnügt es sich nicht damit. Da können alle möglichen Sensorik-Daten einfließen, z.B. das Giermoment oder ESP-Daten. Auch wäre eine aktive Unfallverhütung mit diesem System möglich. Es ist übrigens konstruktiv unabhängig von der Art der Servolenkung.



1 = Lenkwelle Eingang, 2: Lenkwelle Ausgang, 3: E-Motor mit Schneckentrieb für Hohlrad, 4: Planetengetriebe

Um die Konstruktion zu verstehen, stellen Sie sich bitte ein Planetengetriebe relativ weit unten an der Lenksäule vor. Deren oberer Teil ist z.B. mit dem Sonnenrad, der untere mit dem Planetenradträger verbunden. Das Hohlrad weist zusätzlich eine Außenverzahnung auf, in die der unten abgebildete Elektromotor mit seinem Schneckenrad eingreift.



Er kann das Hohlrad also während des Lenkvorgangs oder auch bei festgehaltener Lenkung bewegen. Übrigens, sollte die elektronische Steuerung versagen, dann bleibt er im schlimmsten Fall stehen und der/die Fahrer/in muss mit der im Moment vorhandenen Übersetzung bis zur Werkstatt fahren.



Eine Überlagerung der Lenkung ist auch im Lenkrad möglich, wird aber zurzeit nur von amerikanischen Herstellern praktiziert. Wenn Sie das Bild unten anschauen, werden auch Sie sich fragen, wie man das alles in einem Lenkrad samt Fullsize-Airbag unterbringen kann. Unklar, wozu genau der E-Motor mitsamt seinem Schneckentrieb eingesetzt wird. Typisch USA wäre eine noch größere Erleichterung beim Rangieren.









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