Vorwort

Je mehr Sie über ein bestimmtes Gebiet wissen, desto schwerer ist es an den Mann oder die Frau zu bringen. Das ähnelt dem Fußball, wo am Wochenende Millionen von Trainern die Bundesliga anschauen
und meinen, genau analysieren zu können, woran es bei dieser oder jener Mannschaft hapert.
Auf meine Offenbarung hin, dass ich ein Buch über die Kühlung schreibe, rücken manche Zeitgenossen schon einmal mit einer Frage heraus. Neulich lautete diese, warum eigentlich moderne Fahrzeuge immer
mehr Schwierigkeiten haben, den Innenraum einigermaßen schnell zu erwärmen.
Ich hätte es besser wissen sollen, versuchte ich doch, mit meinem Wissen über den gestiegenen Wirkungsgrad hauptsächlich von Dieselmotoren den Fragesteller zu überzeugen. Kommt als Gegenargument,
dass auch Benziner deutlich schlechter geworden sind. Ja, auch die haben inzwischen einen besseren Wirkungsgrad.
Nein, an so ein paar Prozent Wirkungsgradverbesserung könne es nicht liegen, schließlich sei die Heizung mehr als 50 Prozent schlechter. Der Unglaube im Gesicht meines Gegenübers steigt immer mehr,
geradezu quadratisch mit meinem Bemühen, ihn doch noch zu überzeugen. Warum denn die Hersteller neuerdings elektrische Zuheizer einbauen würden, wenn es nicht am Wirkungsgrad läge? Natürlich
trennen wir uns am Ende höflich, aber die Zweifel sind keineswegs ausgeräumt.
| Früher erwärmte sich der Innenraum zusammen mit dem Motor, heute muss er bis zu
einer bestimmten Motortemperatur warten. |
Ein anderer Fall, noch ein wenig schwieriger. Sie erklären einem Bekannten, dass man Frostschutz so etwa alle drei bis vier Jahre wechseln sollte. Sie bemerken sogleich das etwas freche Grinsen auf seinem
Gesicht. An seinem letzten Auto sei an der Kühlflüssigkeit 20 Jahre nichts gemacht, nur ganz selten ein klein wenig nachgeschüttet worden.
Das Schlimmste daran ist, der Mann hat Recht. Man kennt den Wagen und was er schildert, hat sich wirklich so zugetragen. Es spricht halt für die grandiose Leistung der Techniker, ein Kühlsystem so haltbar
zu machen, dass es 20 Jahre und ca. 300.000 Kilometer lang ohne Murren seine Pflicht tut. Aber was soll man jetzt noch sagen?
| Vorgeschriebene Intervalle grundsätzlich der Bedienungsanleitung entnehmen. |
Eine Gruppe von sogenannten Kennern habe ich allerdings gefressen. Das sind die überzeugten Nichtstuer. 140.000 Kilometer ohne Ölwechsel und der Motor läuft angeblich wie am ersten Tag. Wozu überhaupt
das Öl wechseln, diese Praxis beweist doch, dass es ohne geht. Klingt eigentlich logisch, ist es aber nicht.
Denn typischerweise haben sich solche Autofahrer nun überhaupt nicht um mögliche Folgen gekümmert. Ob der Wagen viel oder wenig Sprit braucht, Hauptsache er läuft. Ob die Kolbenringe längst in ihren
Nuten festgeklebt sind und eine Abdichtung nur noch pro forma existiert, sie wissen es nicht. Sie können noch nicht einmal sagen, ob das Altöl in kleinen Klumpen herauskommt, weil sie eben keinen
Ölwechsel machen (lassen).
Dazu eine bekannte Weisheit: An früheren Dieselmotoren war besonders schlimm, dass sie, einmal angesprungen, fast immer liefen, wie schlecht es ihnen auch ging. Ein Benziner hingegen versagt den Dienst
und verlangt nach Reparatur. Dass ein mechanisches Teil seiner verordneten Bewegungsrichtung nachkommt, heißt noch lange nicht, dass es das in der vom Konstrukteur vorgesehenen Art tut.
Aber Manchem gehen seine Erfahrungen über alles. Da schwört z.B. jemand auf ein bestimmtes Reifenfabrikat und tut alles, sein Auto nur mit diesen Produkten auszurüsten. Schade, dass Reifensätze so
teuer sind. Wie gerne würde ich solchen Zeitgenossen im Blindversuch unterschiedlichste Sätze montieren und sie sollen dann die von ihnen bevorzugte allein durch Fahren herausfinden.
| Wie schön, wenn man sich an Fakten hält. |
Was lernen wir aus den Beispielen? Information zu erhalten ist wichtig, sie weiter zu geben nicht unbedingt. Achten Sie auf ihr Gegenüber und reduzieren Sie bei einem immer ungläubigeren Ausdruck im
Gesicht des/der anderen ihre Überzeugungsarbeit. Das Auto ist für die meisten halt mehr als ein Fortbewegungsmittel, es hängt Herzblut daran und gegen Emotionen war noch nie leicht anzukämpfen.
Umgekehrt bedeutet das natürlich nicht, ab jetzt jede Meinung zu ignorieren, die aus praktischer Erfahrung stammt. Die Praxis ist und bleibt ein besonders wichtiger Bestandteil. Für die Werkstatt sollte z.B.
gelten: Liegt ein Fehler vor, sucht man zunächst nach den gemachten Erfahrungen mit diesem Modell. Hat man ihn aber nach 15 - 20 Minuten oder einer halben Stunde noch nicht gefunden, sucht man
systematisch.
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