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Nur undicht?
Bisweilen erzählt jemand etwas, was in den eigenen Fachbereich hineinragt. Ist das nicht alles so ganz richtig, taucht die Frage auf, wie falsch muss die Information der eigenen Meinung nach sein, damit man
eingreift. Immerhin könnte es nachher heißen, XY ist dabei gewesen, hat zugehört, also kann es doch nicht falsch sein.
Mein Rat, erklären Sie einmal einigermaßen entschlossen, was da nicht stimmen kann, geben Sie möglicherweise noch die richtige Auflösung an, aber, sobald Sie das Gefühl haben, das wird nicht
angenommen, und das passiert nicht selten, beenden Sie Ihre Intervention.
Irgendwelche Bezüge, warum Sie das besser wissen, helfen überhaupt nicht weiter. Denn man hat damals YX befragt, der hat das so erklärt und das kann deshalb nicht verkehrt sein. Versuchen Sie erst gar
nicht, wenn das Ganze in Ihrem Zuhause passiert, z.B. durch irgendwelche Aktenordner zu beweisen, dass Sie doch recht haben.
Hier soll es allerdings um noch einen komplizierteren Fall gehen. Da erzählt ein befreundeter Lehrer, höher im Rang stehend als man selbst, von den Problemen mit seinem Diesel. Da spritzt etwas durch die
Gegend und er hoffe, am nächsten Tag noch einigermaßen unbeschadet in die Werkstatt zu kommen.
Leider lässt man sich dann selbst von dem Problem so sehr packen, dass man bittet von dem Problem mehr Kenntnis zu gewinnen, aber Gang in die Garage und die Vorführung des Defekts wird einem
verwehrt. Das sei typisch für Lehrer nicht nur dieses Fachs, dass sie immer von der Theorie ausgingen, die sie ihren Schülern beibrächten, die aber nicht immer den rechten Bezug zur Praxis hätten.
Nach zähem Ringen geht es dann doch in die Garage und man entdeckt ein kleines Loch in der Rücklaufleitung der Common Rail Anlage, durch das ein winziger Strahl ins Freie tritt. Sofort gehen die
Alarmglocken, denn wenn da soviel Druck drauf ist, dann muss mindestens ein Injektor kaputt sein.
Gesagt und darauf hingewiesen, sich eben in der Werkstatt am nächsten Tag bloß nicht nur diesen kleinen Schlauch austauschen zu lassen, sagt man später adieu. Beizeiten nachgefragt erfährt man, dass die Werkstatt
tatsächlich nur den kleinen Schlauch ausgetauscht habe und der Wagen seitdem prima laufe.
Sie können sich denken, dass man zunächst einmal wie ein Idiot dasteht. Jetzt geht die Recherche erst richtig los. Man erfährt, dass man den möglichen Druck von der anderen Seite als von den Injektoren
völlig zu Unrecht außer Acht gelassen hat. Später erfährt man, dass es sogar Systeme gibt, wo dieser Druck mit bis zu 10 bar besonders hoch ist.
Jetzt könnte man meinen, dass damit doch eigentlich alles gut gelaufen sei und man im Gegenteil aus der Sache positiven Nutzen gezogen, weil etwas dazugelernt hat. Allein das Verhältnis zu dem damaligen
Gegenüber erwies sich fortan als leicht zerrüttet. Man hatte das Gefühl eines mangelnden Respekts, der von Höflichkeit verhüllt war.
Da kann man keinen Stolz über das Erreichte empfinden, sondern es bleibt der Idiot, der Vorschnelle, der sich trotz eindringlicher Warnung zu weit aus dem Fenster lehnt. Mir ist das öfter passiert, wenn ich,
vielleicht etwas zu vorschnell Behauptungen aufgestellt habe, dann von anderen eher Missbilligung erfuhr.
Folgerichtig ist das Verhältnis auch nie mehr richtig in Gang gekommen, beschränkte sich auf kurzen Austausch, wenn man einander begegnete. Eigentlich schade. Gewiss, es gibt eindeutig zu viele, die
einfach Behauptungen in den Raum stellen, aber in diesem Fall ist das ja nicht in der Öffentlichkeit geschehen.
Warum gibt man dann nicht die Chance der Nachbesserung und erfreut sich mitunter an dem, was dadurch an neuem Wissen und vielleicht auch an neuen Fragestellungen hinzugekommen ist? Nein, man
nimmt übel und verurteilt, verschärft durch einen langen Zeitraum. Ähnlich wie beim Beispiel oben: Die Änderung eines Urteils ist vermutlich nur mit einem riesigen Autoritätsüberhang möglich, ob berechtigt oder
nicht.
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