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  Kraftstoff 1





Es ist vor hundert Jahren wie heute an Tankstellen das Gleiche, Benzin wird quasi
nebenbei verkauft. Um die Jahrhundertwende waren es Apotheken, die den
Treibstoff literweise feilboten. So ab 1920 bildeten sich spezielle Verkaufsstellen
mit klangvollen Namen wie beispielsweise Dapolin heraus. Die Öffnungszeiten
überschritten die heutigen auch an abgelegenen Stationen.
Wer kann sich heute noch vorstellen, dass man an einer Tankstelle bedient und
nicht nur abkassiert wird. Da war die Reinigung der Scheiben und eventuell das
Messen des Ölstands inbegriffen. Kein Tankwart hätte die Kunden an den
Zapfhahn gelassen. Die Tankstelle war der Inbegriff der Auto-Kommunikation. Sie
wurde nicht selten von einem Kfz-Meister betrieben und führte auch Reparaturen
aus.



Von der ersten Tankstelle der Welt haben Sie sicher schon einmal gehört. Sie liegt
auf dem Weg von Mannheim nach Karlsruhe in Wiesloch bei Heidelberg. Den
Gesamtweg legt 1888 Bertha Benz ohne Wissen ihres Mannes mit ihren beiden
Söhnen und dem ersten wirklich realistisch funktionierenden Auto der Welt zurück.
So werden in der Apotheke 4,5 Liter Ligroin geordert.

Nein, Benzin gab es noch nicht und der Name dieses Treibstoffs stammt auch nicht
von Carl Benz, dem Ehemann und Konstrukteur des Dreirades ab. So wird das
Fahrzeug mit einem Stoff betrieben, der eigentlich als Mittel zur Entfernung von
Flecken gedacht ist. Bertha Benz und die Jungs setzen ihre insgesamt fast 120 km
lange Werbetour für den neuartigen Wagen schließlich fort.
Obwohl der Absatz als Auto-Treibstoff zu jener Zeit noch nicht annähernd in Sicht
ist, hat das Erdöl schon eine gewisse Geschichte hinter sich. Sie beginnt 1854 mit
Professor Silliman von der Yale-Universität, der die dem Erdöl innewohnende
Energie entdeckt. Gleichzeitig entwickelt es die Methode der Trennung nach
Siedpunkt (Destillation), um aus Erdöl Petroleum herzustellen.
Nein, nicht als Treibstoff für Fahrzeuge, denn Verbrennungsmotoren gab es noch
nicht. Übrigens wäre Petroleum sehr wohl geeignet gewesen, aber dazu hätte der
Dieselmotor mindestens 50 Jahre früher erfunden werden müssen. Nein, das
Petroleum ist für Lichtquellen gedacht, für deren Betrieb man bis dato noch den
Qualm und die Geruchsbelästigung von Walöl ertragen muss.
Das erste Erdöl wird ein Jahr später von der Rock Oil Company in Pennsylvania
quasi aus Erdlöchern geholt, bis man dann ab 1859 Erdöl durch Bohrung gewinnen
konnte. 1863 gründet John D. Rockefeller mit Geschäftspartnern die Standard Oil
Company, die es durch allerlei kartellrechtlich bedenkliche Kniffe, alle sich bis dahin
weit ausbreitenden Aktivitäten zu bündeln und sich den Hauptprofit zu sichern.
Der Standard Oil, die Rockefeller zu einem der reichsten Männer der Geschichte
macht, wird vorgeworfen, sich schon zu Beginn des Ölgeschäfts durch geheime
Sondertarife mit der Öl transportierenden Eisenbahn Markvorteile verschafft zu
haben. Diese legen die Grundlage für ein stetig wachsendes Imperium. Berühmt
ist die Firma aber auch, weil sie die Öllampen verschenkte, für die nachher das
nötige Petroleum gekauft werden musste.
Es dauert Jahrzehnte, bis man rechtlich erfolgreich gegen die Standard Oil
vorgehen kann. Man ordnet 1911 die Zerschlagung in 34 Einzelgesellschaften an
und macht doch mit dieser Maßnahme Rockefeller stärker denn je. Immerhin hat
er zum Ende seines Lebens hin beträchtliche Summen für wohltätige Zwecke
gespendet.
Wir wollen hier die Geschichte des Erdöls nicht zu weitgehend verfolgen, hat seine
Gewinnung und finanizielle Ausbeutung doch zahlreiche Kriege zumindest mit
verursacht. Die entstandenen Ölkonzerne arbeiten noch heute in scheinbarer
Konkurrenz erfolgreich zusammen. Und sogar die von ihren Quellen her scheinbar
trocken gelegte USA kann durch Fracking, eine unter Umweltschützern umstrittene
Methode der Förderung von Erdgas, schon wieder im Konzert der Energieanbieter
mitspielen.
Einer muss noch erwähnt werden, Henry Ford, der Begründer der
Massenmotorisierung. Hatte auch sein T-Modell noch keine Benzineinspritzung, so
doch als über 20 Jahre meist verkauftes Auto einen gehörigen Anteil an der
Entwicklung des Benzinangebots. Zeitweise bildete dieser Wagen mehr als die
Hälfte der auf der Welt vorkommenden.
John McLean soll 1907 in Seattle im US-Staat Washington die erste Tankstelle
eröffnet haben. In Deutschland dauert es bis 1923, bis mitten in Hannover eine Art
Tankkiosk allerdings schon mit unterirdischem Tank entsteht. Gepumpt wird
natürlich immer noch von Hand, genau wie bisher an den zahllosen Zapfstellen auf
Bürgersteigen und in Hnterhöfen.
Neben dem Auto und der Destillation musste natürlich auch das TankstellenEquipment erfunden werden. Da war zunächst Sylvanus Bowser, der 1885 eine
Handpumpe zur Förderung von Kraftstoff und 1896 die zugehörigen Ventile und
den besonders wichtigen Gummischlauch erfand.
John Tokheim baute das Ganze in eine Säule ein, die später einen gläsernen
Behälter mit Eichstrichen erhielt, damit der Autofahrer kontrollieren konnte, wie viel
Kraftstoff er für sein Geld bekam. Es musste zwar z.B. bei T-Modell immer noch
die Sitzbank für Beifahrer herausgenommen werden, aber dem Tankvorgang war
Einiges von seiner Feuergefährlichkeit genommen worden.
Das galt jetzt für Amerika. In Europa war immer noch das Schütten aus Kannen
populär, als in USA schon hundertfach vorgefertigte Tankstationen das weite Land
bevölkerten. Sogar heute gibt es neben der Oktanzahl des Benzins noch
Unterschiede beim Tanken, denn in USA wird noch vielfach an der Zapfsäule
bezahlt, wenn nicht so ein Supermarkt mit Kunden bevölkert werden soll.
In diese Zeit fällt die Geburt der Bezeichnung 'Aral', der sich aus Aromat
und Alliphat bildet. Es ist der erfolgreiche Versuch, herkömmliches Benzin
(Aliphat) und aus Steinkohle gewonnenes Benzol (Aromat) zu einem klopffesteren
Produkt zusammen zu führen. Übrigens hat die Gewinnung von Kraftstoff aus
Kohle (Kohlehydrierung) später während des Krieges noch eine enorme
Bedeutung erlangt.







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