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Formelsammlung
Alle Tests
 F7 F9




  Abgase 1



Das allermeiste bisher Beschriebene hat ohne Abgasregelung funktioniert. Also
waren die verschärften Abgasvorschriften nicht der Auslöser für die Entwicklung
der Benzineinspritzung, oder doch? Immerhin gibt es zu Zeiten der ersten
amerikanischen Abgasregelung mehrere deutsche Autotypen, die durchfallen.
Manchmal muss der Chef selbst rüberjetten, um zu retten, was zu retten ist. In
einem ganz konkreten Fall verspricht der Hersteller, innerhalb eines halben Jahres
für die zu prüfenden Fahrzeuge die Benzineinspritzung einzuführen und erhält
dadurch eine Notzulassung.
Allerdings sind da noch die übrigen Nachteile des Vergasers und der Wunsch nach
unkomplizierterer Leistungssteigerung. Immerhin ist die Mehrpunkteinspritzung mit
einer Mehrvergaseranlage vergleichbar. Haben Sie eine solche schon einmal
versucht einzustellen? Einen Sack mit Flöhen zu hüten ist einfacher.
Abgasvorschriften sorgen lediglich dafür, dass existierende Anlagen um diese
Funktionen erweitert werden und wesentlich schneller und vollständiger den
Vergaser ersetzen.



Basis für die auch heute noch existierende Abgasentgiftung ist der DreiwegeZweibett-Katalysator mit Lambdaregelung, wobei ersterer letztere bedingt.
'Dreiwege' heißt nichts anderes, als das die wichtigsten Schadstoffe
Kohlenmonoxid (CO), Kohlenwasserstoff (HC) und Stickoxide (NOX) in
einem solchen Massenverhältnis im Katalysator ankommen, dass sie durch eine
vom Katalysator begünstigte Reaktion gegeneinander ausgeglichen werden
können.
Mit 'Zweibett' ist die gleichzeitige Oxidation und Reduktion gemeint. Am Ende gibt
es fast nur noch Kohlendioxid (CO2), Wasser (H2O) und
Stickstoff (N). Die Betonung liegt aber auf der Vorbedingung für den Erfolg dieser
Maßnahme, das richtige Massenverhältnis. Kurzum, dieses Massenverhältnis stellt
sich bei ? (Lambda) = 1 ein, wenn also 1 kg Kraftstoff mit 14,8 kg Luft verbrennt
und ebenfalls nur CO2, H2O und N übrig bleiben.
Das hört sich übrigens komplizierter an als es ist. Denn eigentlich könnte man das
Massenverhältnis auch ohne Versuche ausrechnen, man müsste nur die Verteilung
zwischen NO und NO2 kennen. In der Literatur finden Sie deshalb auch
die '14,5' oder noch andere Zahlen. Hätten also bei Lambda = 1 alle Atome
einander gefunden, wäre die Nachsorge durch den Katalysator gar nicht nötig.
Aber es gibt zwei wichtige Widersacher, der mangelnde Grad der Durchmischung
und die äußerst geringe zur Verfügung stehende Zeit. Kurz gesagt sorgt also das
Platin oder Rhodium im Katalysator dafür, dass hier die fehlenden Reaktionen
fortgesetzt werden können. Dabei nimmt es übrigens nicht an der Reaktion teil, es
muss nur Kontakt haben, darf z.B. nicht durch Bleizusätze verschmiert sein.
Wir haben uns um den Teil der Abgasentgiftung zu kümmern, der für die
Herstellung eines bestimmten Mischungsverhältnisses verantwortlich ist.
Wichtigstes Bauteil dazu ist die Lambdasonde, genauer gesagt die
Zweipunktsonde. In ihrer ersten Version besteht sie aus einem kleinen Hohlraum,
der von einer dicken Schicht Zirkondioxid umhüllt ist. Der Hohlraum ist mit der
Außenluft verbunden während um das Zirkondioxid herum die gerade
gesammelten Abgase Zutritt haben.



Also gibt es auch in einer Lambdasonde keine beweglichen Teile, nur ein Kabel,
das mit einer Platinschicht innen auf dem Zirkondioxid verbunden ist. Eine zweite
gleichartige Schicht außen ist an die Motor- oder Fahrzeugmasse angeschlossen.
Man nennt das keramikartige Zirkondioxid auch 'Festkörperelektrolyt'. In
Bleibatterien ist deren flüssiger Elektrolyt in der Lage Ionen zu transportieren.
Genau dieses trifft im Zirkondioxid auf Sauerstoffionen zu. Diese durchwandern
also die Keramik, sobald ein Unterschied in der Sauerstoffkonzentration zwischen
Abgas- und Außenluft vorliegt.
Ähnlich einer Batterie wird also die Lambdasonde mit ihren im Prinzip zwei
Anschlüssen zur Spannungsquelle. Allerdings reicht die Stromstärke nur für ein
gewöhnliches Multimeter, was für eine eventuelle Fehlersuche immerhin schon
ausreichen würde. Ganz simpel ausgedrückt, erzeugt ein fettes Gemisch mit
geringem Sauerstoffanteil im Abgasrohr eine Spannung nahe 1 Volt und ein
besonders mageres eher 0 Volt.
Für das Steuergerät ist genau der steile Verlauf der Spannungskurve zwischen
diesen beiden Zuständen wichtig. Es regelt also die Zufuhr von Kraftstoff so, dass
die Spannung ständig zwischen nahe 0 und nahe 1 Volt pendelt. Schließen Sie ein
älteres analoges Messinstrument an und Sie können im Leerlauf diese
Pendelbewegung beobachten. Natürlich lässt die Trägheit des Zeigers
Zwischenwerte weg, weshalb ein digitales Messgerät nicht so geeignet ist.
Allerdings braucht das Zirkondioxid dazu eine gewisse Temperatur. Das wäre
normalerweise 600°C oder mehr, wird aber durch Yttrium-Dotierung auf etwa
300°C herabgesetzt. Bevor die nicht erreicht wird, funktioniert die ganze
Lambdaregelung nicht. Deshalb wurde bei deren Einführung die Typprüfung immer
mit Fahrzeugen durchgeführt, die auf 20°C erwärmt waren. Erst mit den weiteren
Verschärfungen der Abgasgesetze kommen mit z.B. 7°C wesentlich niedrigere
Temperaturen vor.
Da die Abgase bei der Typprüfung im Gegensatz zur Abgasuntersuchung z.B. beim
TÜV gesammelt werden, verderben die zu Beginn des Tests aufgefangenen
natürlich sehr stark das Messergebnis. Folglich gibt es ein ganzes Bündel von
Maßnahmen, diese Anfangsphase möglichst abzukürzen. Neben der Anordnung
der Lambdasonde unmittelbar im Abgaskrümmer ist die elektrische Heizung heute
Stand der Technik. Allerdings hat der Katalysator ein ähnliches Problem, denn
seine Arbeit beginnt erst ab ca. 450°C.
Gehen Sie im weiteren Verlauf dieser Berichterstattung davon aus, dass ein
Benzinmotor fast immer lambdageregelt ist. Allerdings gibt es neben der
Ausnahme des kalten Motors noch andere. So kann man einen Benzin-Saugmotor
nur beschleunigen, wenn man kurzzeitig anreichert. Es mag neuere Turbo-Motoren
geben, wo in bestimmten Bereichen so viel ungenutzter Druck im Abgassystem
vorhanden ist, dass damit eine Beschleunigung möglich ist.
Das wäre durch eine geeignete Regelung am Kompressor in fast allen
Betriebsbereichen möglich. Aber in aller Regel wird zusätzlich oder allein nur
angereichert, mithin das Lambdafenster kurzzeitig verlassen. Und das gilt auch für
den Volllastbereich. Denn nur sehr selten verzichtet ein Hersteller auf günstige
Katalogwerte wegen geringerer Abgaswerte.
Zumal er ja nicht kontrolliert bzw. bestraft wird. Denn die verlangte Beschleunigung
im Abgastest ist gering, weil sie ja von allen Fahrzeugen erreichbar sein muss. Das
gilt dann auch für die Höchstgeschwindigkeit, momentan bei 120 km/h. Darüber
kann der Hersteller machen, was er will. Immerhin sind die Steuergeräte
inzwischen schlau genug. Zu vermuten wäre, dass sie sogar relativ rasch
erkennen, dass sie sich im Abgastest befinden und dementsprechend tiefstapeln.
Bei Kaltstart, Warmlauf, Beschleunigung und Volllast haben in der Regel die
Messergebnisse der Lambdasonde keine Wirkung.

Zentraleinspritzung



Die Einführung strenger Abgasregelungen und die damit verbundene Einführung
der Lambdaregelung kommt in der Kfz-Herstellung schon einer kleinen Revolution
gleich. Jahrzehntelange Hersteller von Vergasern wie beispielsweise Pierburg
(Solex) müssen sich plötzlich nach einer komplett anderen Produktpalette
umsehen. Mit dem elektronischen Vergaser gibt es noch Versuche, auch hier die
Lambdaregelung zu ermöglichen, aber die Herstellungskosten steigen und die
Mehrpunkt-Benzineinspritzung bleibt überlegen.
Nach dem endgültigen Verschwinden des Vergasers bleibt bei den Kleinwagen und
der unteren Mittelklasse ein Kostenproblem. Dieses versucht als erste eine Anlage
zu überwinden, die es im Prinzip schon seit 1974 gibt. Hersteller ist der GMKonzern, der bis etwa 1985 die Multiple Technologie zur Serienreife
bringt. Sie kommt im Corsa-A und Kadett-E zur Welt und setzt einige Akzente.
Viele verwechseln noch heute das Drosselklappen-Einspritzgehäuse mit einem
Vergaser. Es enthält aber unverkennbar ein zentrales Einspritzventil. Da es relativ
weit weg ist von der Wärmequelle Motor, ist es nicht so gefährdet durch
Dampfblasen wie die motornahen Einspritzventile. Außerdem ist es 'bottom
feeded', wird also von unten mit Kraftstoff versorgt. Zusätzlich sorgt ein Filter für
Dampfblasen dafür, dass sich diese nach oben über den federbelasteten
Druckregler in den Rücklauf absetzen.
Auch die nunmehr größere Einspritzmenge hilft ein wenig. Das Ergebnis kann sich
sehen lassen, 0,75 bar Förderdruck reichen aus. Folgerichtig reicht hier eine
allerdings zweistufige Strömungspumpe aus. Sie ist im Tank eingebaut. Der Filter
muss natürlich auswechselbar sein, sitzt weit vor dem Tank. Seine Anordnung auf
der Druckseite der Pumpe kann aber durch deren Unempfindlichkeit gegen
Schmutz kompensiert werden.
Wegen der größeren Öffnung und Genauigkeit der Regelung pendeln die
Einspritzzeiten bei der Multec zwischen 1,5 ms im Leerlauf und 5,5 ms bei Volllast.
Wegen der Baugröße sind die erforderlichen Ströme und die Anzugs- und
Abfallzeiten schon etwas problematischer als bei der Mehrpunkt-Einspritzung. Wie
bei allen elektronisch betriebenen Anlagen ist auch dieses massegetaktet und der
Querschnitt bei geöffnetem Ventil stets gleich.
Durch die Anordnung des Einspritzventils oberhalb der Drosselklappe hat der stark
wechselnde Saugrohrdruck hier keinen Einfluss mehr auf die Einspritzmenge. Eine
entsprechende Anpassung im Systemdruckregler kann entfallen. Der ist vielmehr
im Werk fest eingestellt. Durch bessere Auswertungstechnik gehen vom
Drosselklappenpotentiometer jetzt sich linear ändernde Spannungen zwischen
etwas über 0 Volt und knapp 5 Volt aus und sind leichter zu kontrollieren.
Dass es sich um eine digital geregelte Anlage handelt, merkt man spätestens am
Leerlauffüllungs-Schrittmotor. Der kann in 255 Stufen einen Bypass um die
Drosselklappe auf- oder zufahren. So wird der Kaltlauf geregelt. Erstaunlich ist,
dass er bis zu 160 Schritte pro Sekunde schafft. Die Tradition beibehalten hat man
bei GM auch durch Verwendung eines Druckfühlers. Wir werden weiter unten bei
Bosch sehen, dass es auch noch anders geht.
Die Ermittlung des Lastzustandes durch Messung des Saugrohrdrucks hat
Tradition und ist auch heute noch präsent. In diesem Fall gibt es zwei durch
Membrane getrennte kleine Räume, der eine als Vakuum und der andere mit
Saugrohrdruck beaufschlagt. Im Vakuum sind vier in Reihe geschaltete
Piezowiderstände, die bei absoluten Drücken von 0,3 bar und 0,95 bar
Spannungen von gut 1 Volt bis wiederum knapp 5 Volt ausweisen.
Neben einem Sensor für die Erkennung, ob das Fahrzeug steht oder fährt ist
vielleicht noch die Zündung interessant. Inzwischen ist man auch hier so weit,
deren Verstellung elektronisch regeln zu können. Allerdings gibt es immer die
Hochspannungsverteilung mit rotierendem Verteilerfinger. Schön ist auch der
Blinkcode, der erste Vorteil des digitalen Zeitalters für die Werkstatt. Nach dessen
Aktivierung darf man konzentriert zählen und mit entsprechenden Tabellen
vergleichen.
Etwa zur gleichen Zeit bringt Bosch die Mono-Jetronic heraus. Neben dem
zentralen Einspritzventil in einem entsprechenden Gehäuse gibt es doch
erwähnenswerte Unterschiede. Der Förderdruck ist mit 1 bar etwas höher, die
Pumpe aber nicht prinzipiell anders. Besonders wichtig ist der Verzicht auf die
Druckmessung. Hier bemisst eine Einspritzanlage erstmals die einzuspritzende
Menge nach den Messergebnissen der Lambdasonde und des
Drosselklappenpotis.



Spätestens hier mögen Sie die überragende Stellung der Lambdasonde erkennen.
Daran hängt natürlich auch die Menge an Problemen, sollte sie einmal nicht
funktionieren. Sie werden es nicht glauben, aber man kann mit so einem Motor
auch bei nicht funktionierender Lambdasonde noch fahren. Allerdings merkt man
bei allzu viel Gas geben deutlich die Überfettung. Sie können bei unvorsichtiger
Behandlung wie in grauer Vorzeit die Kerzen nass werden und der Motor seinen
Dienst endgültig einstellen. Natürlich ist das keineswegs gesund, weder für den
Motor, noch für den Katalysator.



Völlig anders gelöst ist bei diesem System die Anreicherung bei kaltem Motor. Hier
wird die von der Vergasertechnik übernommene, leichte Öffnung der Drosselklappe
praktiziert. Wenn Sie mich fragen, fand ich die Opel-Regelung einfacher. Der
Stellmotor bewegt die Drosselklappe über einen Schneckentrieb und der kann sich
verhaken, wenn er in unzulässige Bereiche kommt. Außerdem ist da noch so ein
Tastschalter an der Spitze seines Betätigungsstiftes und der muss bei nicht
getretenem Gaspedal unbetätigt sein. Einstellen mit entsprechender Anleitung ist
geboten.
{Mono-Motronic: 1 Steuergerät für Mono-Jetronic und Zündung}
So, das sollte reichen für die Zentraleinspritzung. Man findet sie immer seltener in
der unteren Mittelklasse. Zu gravierend der fast einzig verbleibende Nachteil,
nämlich die Versorgung aller Zylinder von einer Stelle aus. Klar, dass dabei
Ungerechtigkeiten nicht ausbleiben, z.B. die äußeren Zylinder magere Gemische
erhalten als die inneren. Das lässt sich auch durch moderne Abgastechnik schwer
ausgleichen. Und je mehr solche Anlagen verschwinden, desto geringer der
Preisvorteil wegen der kleiner werdenden Serie.
K-Jetronic 1
Sie kam, erzeugte Begeisterung und verschwand nach geraumer Zeit und etlichen
Entwicklungskosten. Da sieht man einmal, dass man auch in der Industrie nicht alle
Schwierigkeiten vorhersehen kann. Oder noch besser formuliert: Bisweilen muss
man zwei konkurrierende Entwicklungen zulassen, weil es für beide wichtige
Befürworter gibt, in diesem Fall für eine mechanische Einspritzung in der Mehrheit.
Doch der reinen Mechanik standen dann die Abgasvorschriften im Weg. Sie waren
nur mit zusätzlicher Elektronik zu erfüllen, die in der Konkurrenzanlage ohnehin
vorhanden war. Letztlich ist die jetzt hier zu beschreibende Anlage weniger an
technischen als vielmehr an finanziellen Aspekten gescheitert. Sie bleibt trotzdem
ein Leckerbissen und manche Kfz-Ambitionierten trauern ihr nach.
{Erstmals im Porsche 911 T von 1973}
Es ist das Kontinuierliche, was den Unterschied zu der bisher besprochenen
Anlage ausmacht. Wie kann man die oben schon einmal errechnete
Einspritzmenge, die einem Würfel von nur 3 mm Kantenlänge entspricht, jetzt auf
die fünffache Zeit verteilt trotzdem noch fein zerstäubt einspritzen? Rechnerisch ist
das ganz einfach: mit 0,1 bar Druck durch einen Querschnitt mit 0,1 mm Breite.
Aber praktisch zu realisieren?
Vielleich erklären diese beiden Werte schon, warum diese von ihrem Prinzip her
naheliegende Anlage mit dem Jahr 1972 so relativ spät kommt. Technisch war das
vorher wohl noch nicht möglich. Denn hier gibt es keine Präzisierungshilfen durch
die Elektronik. Alles muss rein hydraulisch bzw. mechanisch erledigt werden.
Wieder einmal ist es Bosch, diesmal offensichtlich unter Mithilfe von Porsche.
Wie erzeugt man einen Druck von 0,1 bar? Das geht offensichtlich nur als
Differenzdruck. Stellen Sie sich zwei durch eine metallene Membran geteilte
Räume vor, eine als Unter- und eine als Oberkammer. Von oben ragt ein Röhrchen
in die Oberkammer und ragt exakt bis zur Membrane. Nehmen Sie ruhig an, die
Öffnung des Röhrchens werde durch die Membrane gerade so verschlossen.



Jetzt brauchen wir noch eine kleine Schraubenfeder, die von oben auf die
Membrane wirkt. Die Feder ist so relativ schwach, dass sie die Membrane gerade
etwas öffnet. Sind die beiden Kammern mit Kraftstoff unter gleichem Druck gefüllt,
ändert sich nichts an der Situation. Natürlich wird sich jetzt etwas Kraftstoff durch
das Röhrchen verabschieden. Sinkt der Druck relativ zur Unterkammer auch nur
um 0,1 bar, schließt die Membran das Röhrchen.



{Mengenteiler von unten}
Und einem 0,1 mm breiten, senkrechten Schlitz begegnet man auf dem Weg von
der Unter- zur Oberkammer. Er ist im Gegensatz zu seiner geringen Breite relativ
hoch. Dahinter gibt ein sogenannter 'Steuerkolben' in seiner obersten Stellung
relativ viel Querschnitt frei und in seiner untersten relativ wenig. Kraftstoff strömt
von den 4,8 bar der Unterkammer durch den Schlitz, wird damit mengenmäßig
bestimmt, in die 4,7 bar der Oberkammer und solange dieser Differenzdruck von
0,1 bar besteht, zu dem jeweiligen Einspritzventil am Zylinder.
Der Name Einspritzdüse wäre zutreffender, denn er markiert schlicht nur das Ende
der Einspritzleitung durch einen leicht federbelasteten Kegel, der für Zerstäubung
sorgt. Die mengenmäßige Zuteilung geschieht also nicht am Einspritzventil
sondern vor Eintritt in die Einspritzleitung. Dem entsprechend haben die
Einspritzventile der K-Jetronic auch keine Magnetventile, sonst würden sie ja
intermittierend einspritzen.



So, das war jetzt der Weg des Kraftstoffs von einer Unterkammer zur
entsprechenden Oberkammer und dann zum Einspritzventil. Jetzt stellen Sie sich
bitte um den einzigen Steuerkolben herum gleichmäßig verteilt so viele Unter-
/Oberkammern und 0,1 mm breite Schlitze vor, wie der Motor Zylinder hat. Wenn
jetzt noch alle Unterkammern dauerhaft mit Kraftstoff versorgt werden, haben wir
schon wesentliche Teile des Systems erkannt.
Halt, ein Hinweis fehlt noch. Wir wissen noch nicht, wie der Steuerkolben bei viel
Kraftstoffbedarf angehoben wird. Jetzt kommt die Luftklappe ins Spiel, vom Prinzip
her durchaus vergleichbar mit der des Luftmengenmessers, aber hier als
'Stauscheibe' bezeichnet. Sie ist rund in einem Gehäuse mit konischen Wänden.
Wird sie von der zum Motor strömenden Luft angehoben, gibt sie einen immer
größer werdenden Querschnitt frei. Diese Stauscheibe hebt beim Auslenken über
einen Mechanismus den Steuerkolben.
So einfach und doch kompliziert zugleich ist die erste K-Jetronic. Sie entspricht der
z.B. im Golf GTI eingebauten. Finden Sie eine solche im Mercedes, dann wird die
Stauscheibe bei mehr Kraftstoffbedarf nicht nach oben, sondern nach unten
ausgelenkt. Der Hebelmechanismus ist geändert, aber der Steuerkolben arbeitet
in gleicher Weise. Je höher er steht, desto mehr Kraftstoff wird kontinuierlich
eingespritzt.
Allein das Geräusch ist schon pure Hydraulik. Es macht nämlich von Zeit zu Zeit
Sinn die einzelnen Einspritzventile auszubauen und in kleine Reagenzgläschen zu
stecken. Wenn Sie jetzt das Pumpenrelais überbrücken, die Zündung einschalten,
nicht starten und die Stauscheibe auslenken, hören Sie, wie der eben beschriebene
Mengenteiler arbeitet. Kraftstoff gelangt in die Röhrchen, hoffentlich mit nur
etwas10 Prozent relativ gleichmäßig.
Denn die Risiken einer Ungleichheit sind groß, besonders bei Oldtimern, die
vielleicht eine gewisse Zeit stillgelegt waren, an deren Kraftstoffsystem mit
Unachtsamkeit gearbeitet wurde. Kommt nur eine Fluse an die richtige Stelle oder
bildet sich durch eventuelles Wasser im Sprit etwas Rost, ist es um die
Gleichmäßigkeit geschehen. Und glauben Sie ja nicht, diese Unpässlichkeit
beheben zu können.
Der Versuch, den Mengenteiler zu öffnen, wird mit umherfliegenden Gummiringen
und kleinen Federn bestraft. Deshalb hilft Ihnen auch das Vorbild eines noch
kompletten Mengenteilers nicht weiter. Man könnte höchsten den Steuerkolben
nach unten ausbauen und versuchen, von dort aus an eventuelle Hemmnisse in
einem der 0,1 mm Schlitze zu kommen. Erstaunlich genug ist die Tatsache, dass
man von der Seite der Kammern aus den Steuerkolben durch diese minimalen
Schlitze wahrnimmt.
K-Jetronic 2
Sie werden hoffentlich jetzt einsehen, dass ein Öffnen der Anlage jenseits des
Kraftstofffilters mit Vorsicht zu geschehen hat. Ansonsten ist der Aufbau der
Kraftstoffförderung der gleiche wie bei anderen Mehrpunktanlagen. Nur der Druck
ist mit 4,7 bar bis sogar 6 bar bei den letzten Anlage deutlich höher und damit
natürlich der der Pumpe auch. Typisches Leiden der K-Jetronic ist die
Schwierigkeit, den heiß gefahrenen Motor zum Starten zu veranlassen. Das hat
den Golf GTI vielleicht Fans gekostet.
Folgen sind der immer höhere Kraftstoffdruck, der auch die Kraftstoffpumpe nicht
gerade verbilligt hat. Eine Umstellung auf Strömungspumpe rückte damit in weitere
Ferne. Hinzu kommt von Anfang an ein Kraftstoffspeicher, der ebenfalls im Laufe
der Zeit immer größer wird. Er hat die Aufgabe den Druck im System zu halten.
Spätere Systeme hielten auf diese Weise den Druck sogar über mehrere Tage.
Jetzt müssten Sie Vor-, Rücklauf und Kraftstoffversorgung der einzelnen Zylinder
eigentlich klar haben. Die Einspritzventile sind etwa an der gleichen Stelle wie die
der D- oder L-Jetronik angeordnet. Auffallend beim Blick in den Motorraum ist
sofort, dass zu jedem Ventil eine eigene Einspritzleitung führt. Sie münden alle am
Kraftstoffmengenteiler mit daneben angeordnetem Luftmengenmesser, das ist das
Teil mit der Stauscheibe.
Besonders wichtig auch für die Werkstattarbeit ist der Warmlauf. Die K-Jetronic hat
dafür einen eigenen Regler gleichen Namens. Er ist in seiner Funktion dem
Zusatzluftschieber entlehnt, den es für den erhöhten Leerlauf hier ebenfalls mit
Bypassleitung gibt. Aber der kalte Motor ist auch im Fahrbetrieb problematisch,
denn es gibt hier keinen Temperatursensor, der ein Steuergerät zu mehr
Einspritzung veranlasst.



Also kommt das Prinzip des Zusatzluftschiebers ein zweites Mal vor. Dabei wird
wieder ein Bimetall beheizt, dass diesmal keine Luft- sondern eine Kraftstoffleitung
gegen eine Feder mit dem warm werdenden Motor immer mehr öffnet. Dadurch
wird Kraftstoffdruck von oben auf den Steuerkolben geleitet. Ist der gering, gelingt
es der Stauscheibe auch bei wenig Luftdurchsatz, ihn aus zu lenken. Je höher
dieser sogenannte 'Steuerdruck' ist, desto geringer wird die Auslenkung bei
gleicher Luftzufuhr.



{Luftmengenmesser-Oberteil mit Mengenteiler für 8 Zylinder}
Überhaupt sind die Hebel-Übersetzung und die Ausformung des Lufttrichters an
der Stauscheibe wichtig für die Kraftstoffzumessung in einzelnen Betriebspunkten.
Hierin steckt etwas von dem, was wir heute bei digitalelektronischen Anlagen
Kennfeld nennen. Es muss schon für jeden Motor angepasst werden. Ganz einfach
funktioniert dagegen die Anreicherung bei Beschleunigung. Die Stauscheibe
schwingt einfach etwas mehr aus und kehrt dann zum neuen Betriebspunkt zurück.
Jetzt können Sie noch eine Verbindung zwischen dem Warmlaufregler und der
Beschleunigungsanreicherung sehen. Denn durch den noch nicht erreichten
Steuerdruck oben auf dem Steuerkolben schwingt die Stauscheibe noch weiter aus
und ergibt damit mehr Anreicherung bei kaltem Motor. Nur für die
Schubabschaltung gibt es keine so einfache Lösung. Hierzu werden
Gaspedalstellung und Motordrehzahl ausgewertet und ein Bypasskanal um die
Stauscheibe herum geöffnet.
Die K-Jetronic ist nun wirklich nicht mit anderen Einspritzanlagen vergleichbar. Das
gilt auch für ihre mangelnde Schubabschaltung. Bosch hatte damals eine
Nachrüstlösung in Form eines Schubabschaltventils, das unterhalb einer
bestimmten Drehzahl und bei nicht betätigtem Gaspedal einen Bypass um die
Stauscheibe öffnete und damit jegliche Auslenkung unmöglich machte.



{Funktionsfähige Anlage: Demonstration/Test einzelner Bauteile}
KE-Jetronic
Natürlich gehen die Abgasgesetze auch an der K-Jetronic nicht ohne
Konsequenzen vorbei. Und da Fahrzeuge mit K-Jetronic z.B. auch nach Kalifornien
geliefert werden, hat man für diese eine Lambdaregelung integriert, bei der Druck
in den Unterkammern durch ein getaktetes Ventil zum Rücklauf hin verändert
werden kann. Die Anlagen werden z.B. mit 'KA-Jetronic' bezeichnet, quasi
Vorläufer der KE-Jetronic.



Gründlich ändert sich zur K-Jetronic der Mengenteiler, an dem die KE-Jetronic
auch sofort zu erkennen ist. Er ist nicht mehr so schlank wie ehedem, sondern hat
zwei Zusatzgeräte rechts und links der Hebelachse für die Stauscheibe erhalten.
Das eine ist ein Potentiometer, das sehr viel wichtigere andere ist der
elektrohydraulische Drucksteller, der nun den Druck in den Unterkammern steuert.



Die beiden Bilder oben und unten zeigen den elektrohydraulischen Drucksteller in
zwei verschiedenen Situationen. Oben steuert er einen hohen Druck in die
Unterkammern ein, unten einen geringen. Deshalb tendiert die Einspritzmenge pro
Zeiteinheit oben gegen Null, während unten mit einer Druckdifferenz von ca. 0,4
bar die maximale Einspritzung erreicht wird, Wenn Sie genau hinschauen, können
Sie das sogar an der Membran erkennen.



Der Drucksteller ist also die Entdeckung der KE-Jetronic. Da sich die leichten
Druckfedern jetzt in den Unterkammern befinden, beträgt die Druckdifferenz bei
stromlosem Drucksteller 0,2 bar. Will man also seine Wirkung sichtbar machen,
muss man die Stromzufuhr messen, in der einen oder in der anderen Richtung.
Bosch hat mit dem Drucksteller einen universellen Aktuator geschaffen, der in allen
Betriebsbereichen das Mischungsverhältnis beeinflussen kann.
Der Warmlaufregler entfällt, damit auch ein Bauteil mit gewissem Ausfallpotential.
Es bleiben allerdings Zusatzluftschieber und Kaltstartsystem. Auf Drosselklappen
schalter und –potentiometer wird man ohnehin bei den elektronischen
Einspritzanlagen bis zur Einführung des E-Gas nicht verzichten können. Hinzu
kommt sogar ein weiteres Potentiometer an der anderen Seite des Mengenteilers,
dessen Signale aber nur bei kaltem Motor eine Rolle spielen.
Das ist typisch für die Lambdaregelung. Nichts wird dem Zufall überlassen, jeder
nur denkbare Betriebsbereich überwacht und geregelt. Natürlich ist damit der
Vorteil der K-Jetronic ohne Steuergerät entfallen. Die KE-Jetronic braucht es,
obwohl sie schon von Haus aus komplizierter und teurer als die intermittierende
Einspritzung ist. Dazu noch die lästige Klappe bzw. Scheibe im Ansaugbereich.
Wenn Sie jetzt noch die Heißstartprobleme hinzunehmen, die erst mit 6 bar
Förderdruck, einer entsprechend großen und teuren Pumpe und einen wiederum
vergrößertem Druckspeicher in der Versionsnummer 3 gelöst werden, können Sie
sich leicht ausrechnen, welche Anlage überlebt, obwohl man dieser hier sehr gute
Werte bei der Entfaltung des Motordrehmoments über die verschiedenen
Drehzahlbereiche nachsagt. Wenn andere Anlagen das annähernd auch können,
entscheiden die Kosten.



Kraftstoff 1
Es ist vor hundert Jahren wie heute an Tankstellen das Gleiche, Benzin wird quasi
nebenbei verkauft. Um die Jahrhundertwende waren es Apotheken, die den
Treibstoff literweise feilboten. So ab 1920 bildeten sich spezielle Verkaufsstellen
mit klangvollen Namen wie beispielsweise Dapolin heraus. Die Öffnungszeiten
überschritten die heutigen auch an abgelegenen Stationen.
Wer kann sich heute noch vorstellen, dass man an einer Tankstelle bedient und
nicht nur abkassiert wird. Da war die Reinigung der Scheiben und eventuell das
Messen des Ölstands inbegriffen. Kein Tankwart hätte die Kunden an den
Zapfhahn gelassen. Die Tankstelle war der Inbegriff der Auto-Kommunikation. Sie
wurde nicht selten von einem Kfz-Meister betrieben und führte auch Reparaturen
aus.



Von der ersten Tankstelle der Welt haben Sie sicher schon einmal gehört. Sie liegt
auf dem Weg von Mannheim nach Karlsruhe in Wiesloch bei Heidelberg. Den
Gesamtweg legt 1888 Bertha Benz ohne Wissen ihres Mannes mit ihren beiden
Söhnen und dem ersten wirklich realistisch funktionierenden Auto der Welt zurück.
So werden in der Apotheke 4,5 Liter Ligroin geordert.

Nein, Benzin gab es noch nicht und der Name dieses Treibstoffs stammt auch nicht
von Carl Benz, dem Ehemann und Konstrukteur des Dreirades ab. So wird das
Fahrzeug mit einem Stoff betrieben, der eigentlich als Mittel zur Entfernung von
Flecken gedacht ist. Bertha Benz und die Jungs setzen ihre insgesamt fast 120 km
lange Werbetour für den neuartigen Wagen schließlich fort.
Obwohl der Absatz als Auto-Treibstoff zu jener Zeit noch nicht annähernd in Sicht
ist, hat das Erdöl schon eine gewisse Geschichte hinter sich. Sie beginnt 1854 mit
Professor Silliman von der Yale-Universität, der die dem Erdöl innewohnende
Energie entdeckt. Gleichzeitig entwickelt es die Methode der Trennung nach
Siedpunkt (Destillation), um aus Erdöl Petroleum herzustellen.
Nein, nicht als Treibstoff für Fahrzeuge, denn Verbrennungsmotoren gab es noch
nicht. Übrigens wäre Petroleum sehr wohl geeignet gewesen, aber dazu hätte der
Dieselmotor mindestens 50 Jahre früher erfunden werden müssen. Nein, das
Petroleum ist für Lichtquellen gedacht, für deren Betrieb man bis dato noch den
Qualm und die Geruchsbelästigung von Walöl ertragen muss.
Das erste Erdöl wird ein Jahr später von der Rock Oil Company in Pennsylvania
quasi aus Erdlöchern geholt, bis man dann ab 1859 Erdöl durch Bohrung gewinnen
konnte. 1863 gründet John D. Rockefeller mit Geschäftspartnern die Standard Oil
Company, die es durch allerlei kartellrechtlich bedenkliche Kniffe, alle sich bis dahin
weit ausbreitenden Aktivitäten zu bündeln und sich den Hauptprofit zu sichern.
Der Standard Oil, die Rockefeller zu einem der reichsten Männer der Geschichte
macht, wird vorgeworfen, sich schon zu Beginn des Ölgeschäfts durch geheime
Sondertarife mit der Öl transportierenden Eisenbahn Markvorteile verschafft zu
haben. Diese legen die Grundlage für ein stetig wachsendes Imperium. Berühmt
ist die Firma aber auch, weil sie die Öllampen verschenkte, für die nachher das
nötige Petroleum gekauft werden musste.
Es dauert Jahrzehnte, bis man rechtlich erfolgreich gegen die Standard Oil
vorgehen kann. Man ordnet 1911 die Zerschlagung in 34 Einzelgesellschaften an
und macht doch mit dieser Maßnahme Rockefeller stärker denn je. Immerhin hat
er zum Ende seines Lebens hin beträchtliche Summen für wohltätige Zwecke
gespendet.
Wir wollen hier die Geschichte des Erdöls nicht zu weitgehend verfolgen, hat seine
Gewinnung und finanizielle Ausbeutung doch zahlreiche Kriege zumindest mit
verursacht. Die entstandenen Ölkonzerne arbeiten noch heute in scheinbarer
Konkurrenz erfolgreich zusammen. Und sogar die von ihren Quellen her scheinbar
trocken gelegte USA kann durch Fracking, eine unter Umweltschützern umstrittene
Methode der Förderung von Erdgas, schon wieder im Konzert der Energieanbieter
mitspielen.
Einer muss noch erwähnt werden, Henry Ford, der Begründer der
Massenmotorisierung. Hatte auch sein T-Modell noch keine Benzineinspritzung, so
doch als über 20 Jahre meist verkauftes Auto einen gehörigen Anteil an der
Entwicklung des Benzinangebots. Zeitweise bildete dieser Wagen mehr als die
Hälfte der auf der Welt vorkommenden.
John McLean soll 1907 in Seattle im US-Staat Washington die erste Tankstelle
eröffnet haben. In Deutschland dauert es bis 1923, bis mitten in Hannover eine Art
Tankkiosk allerdings schon mit unterirdischem Tank entsteht. Gepumpt wird
natürlich immer noch von Hand, genau wie bisher an den zahllosen Zapfstellen auf
Bürgersteigen und in Hnterhöfen.
Neben dem Auto und der Destillation musste natürlich auch das TankstellenEquipment erfunden werden. Da war zunächst Sylvanus Bowser, der 1885 eine
Handpumpe zur Förderung von Kraftstoff und 1896 die zugehörigen Ventile und
den besonders wichtigen Gummischlauch erfand.
John Tokheim baute das Ganze in eine Säule ein, die später einen gläsernen
Behälter mit Eichstrichen erhielt, damit der Autofahrer kontrollieren konnte, wie viel
Kraftstoff er für sein Geld bekam. Es musste zwar z.B. bei T-Modell immer noch
die Sitzbank für Beifahrer herausgenommen werden, aber dem Tankvorgang war
Einiges von seiner Feuergefährlichkeit genommen worden.
Das galt jetzt für Amerika. In Europa war immer noch das Schütten aus Kannen
populär, als in USA schon hundertfach vorgefertigte Tankstationen das weite Land
bevölkerten. Sogar heute gibt es neben der Oktanzahl des Benzins noch
Unterschiede beim Tanken, denn in USA wird noch vielfach an der Zapfsäule
bezahlt, wenn nicht so ein Supermarkt mit Kunden bevölkert werden soll.
In diese Zeit fällt die Geburt der Bezeichnung 'Aral', der sich aus Aromat
und Alliphat bildet. Es ist der erfolgreiche Versuch, herkömmliches Benzin
(Aliphat) und aus Steinkohle gewonnenes Benzol (Aromat) zu einem klopffesteren
Produkt zusammen zu führen. Übrigens hat die Gewinnung von Kraftstoff aus
Kohle (Kohlehydrierung) später während des Krieges noch eine enorme
Bedeutung erlangt.

Kraftstoff 2



Die Klopffestigkeit ist inzwischen von Bedeutung. Geht man bei den Anfängen des
Automobils noch von ca. 40 Oktan aus, so erreichen spezielle Mischungen mit
Alkohol in den Dreissiger Jahren für die berühmten bis über 400 km/h hinaus
schnellen Silberpfeile weit mehr als das Doppelte. Die Qualität von Kraftstoff und
ihre Bedeutung für die Motorkonstruktion rückt etwas mehr in den Vordergrund.
Benzin wird schließlich gewonnen, indem man mehrfach destilliert, z.b. unter
Atmosphären- und Unterdruck. Im Prinzip soll eine auf ca. 350°C erwärmte flüssige
Kohlenwasserstoffverbindung gasförmig werden und dann im Destillationsturm so
hochsteigen, wie es seinem Siedepunkt entspricht. Ganz oben käme dann der Stoff
aus dem Turm, der gasförmig geblieben ist, z.B. das Autogas (LPG).
Sie können ahnen, dass im Prinzip aus einem bestimmten Erdöl immer nur die
gleichen Anteile an Gas, Benzin, Diesel, leichtem und schwerem Schmieröl und
Bitumen herauszuholen ist. Da für die einzelnen Komponenten stark
unterschiedliche Preise gezahlt werden, ist das Interesse an Verschiebung
zugunsten bestimmter Produkte groß.
So ist z.B. auch die Verteilung von Benzin und Dieselkraftstoff in gewissen Größen
vorgegeben, weshalb z.B. der Staat mit Steuern dafür sorgen muss, dass immer
noch genug Benziner übrigbleiben. 'Cracking' nennt man das Verfahren, dass z.B.
aus den schwersiedenden Teilen des Destillats solche zu gewinnen, die auf dem
Mineralölmarkt eher gebraucht werden.
Und dann kommt noch die ganze Veredelung des Kraftstoffs hinzu. Dazu gehört
das Erreichen einer bestimmten Oktanzahl und die möglichst vollständige
Herausnahme von z.B. Schwefel. Additive kommen hinzu, um z.B. das Festsetzen
von verkoktem Kraftstoff auf Ventiltellern zu verhindern.
50.000 Tankstellen gibt es so etwa um 1935. Für kurze Zeit träumt die
Nationalsozialistische Regierung vom für alle erschwinglichen Auto. Der schon seit
1923 begonnene Autobahnplan wird massiv in die Tat umgesetzt. Es entstehen
Autobahn-Tankstellen, viel mehr als Raststätten. Wenn Sie mit heute vergleichen
wollen: Es waren nur drei Parkplätze für Lkw vorgeschrieben, zehn für Pkw.
Getankt wird Benzin der Reichsautobahn-Kraftstoff GmbH, an dem natürlich der
Staat verdient. Aber auch abseits der Autobahnen gab es Tankstellen, die nicht an
einen Mineralölkonzern gebunden waren. Man konnte also durch Wahl bestimmter
Zapfsäulen zwischen den Marken wählen. Es wäre interessant zu wissen, welche
Art Werkstattanzug als 'Uniform' in diesem Fall der Tankwart trug.
Leider ist die Zeit für die einsame Tankstelle auf abgelegener Strecke vorbei. Fährt
man heute solche Wege, schaut man grundsätzlich, dass man genug treibstoff
dabei hat. Selbst in USA, beispielsweise an den noch spärlich vorhandenen Teilen
der legendären Route 66 gibt es die Tankstelle nicht mehr, wo man den Pächter
erst wecken muss und grundsätzlich die Angst besteht, ob denn der Pumpenmotor
funktioniert.
Die Zahl der Tankstellen nimmt zunächst mit dem Wirtschaftswunder und der
wirklichen Massenmotorisierung zu und dann mit der Sättigung des Marktes, der
Selbstbedienung und den energiesparenden Autos ab. Es hat verschiedene Krisen
um das Erdöl gegeben, die erste übrigens nicht erst 1974, sondern schon 1956,
als Ägypten unter Präsident Nasser die vollen Rechte und Einnahmen am
Suezkanal für sein Land beansprucht. Aber immer wieder hat sich der Markt
danach wieder erholt.
Zwischendurch gibt es sogar z.T. zu viel Kraftstoff. Die markenfreien Tankstellen
entstehen, die heute schon fast wieder eigene Marken gebildet haben. Sie kaufen
Überschüsse auf, natürlich zu angemessen abgesenkten Preisen. So kann es also
sein, dass man an der markenfreien Tankstelle etwas günstiger den gleichen Sprit
wie an der markengebundenen nebenan kauft.
Trotzdem wird es nie wieder so viele Tankstellen wie 1935 in Deutschland geben.
Die extensive Werbung für Mineralölprodukte entsteht so um 1970. Da muss der
'Tiger in den Tank' und es gibt angeblich geeignetere Kraftstoffe bzw. Additive.
Dass viel Geld mit solchen Produkten verdient wird, sieht man daran, wie viel in
der Werbung z.B. bei der Formel 1 steckt.
Und wie die Geschichte vorläufig endet, das kennen Sie ja: Supermarkt mit
angegliederten Zapfsäulen. Angeblich selbstständige Pächter, deren Provision am
Kraftstoff aufs Äußerste beschnitten und denen Verkaufpreise vorgeschrieben
sind. Kfz-Fachkenntnis ist kaum noch nötig bzw. zu erwarten.
Allerdings ist die Technik des Tankens wesentlich umweltfreundlicher geworden.
Es gelangt schon lange kein Tropfen überlaufender Sprit ins Grundwasser. Auch
die beim Tanken entstehenden Dämpfe werden von der Zapfpistole aufgefangen
und in den Tank zurückgeleitet. Der Tankwagen nimmt sie als Rückfracht wieder
mit in die Raffinerie. So wie jetzt erst bei allen Schiffen sind die Tanks im Boden
alle doppelwandig mit elektronischer Hohlraumüberwachung.

Kraftstoff 3
Die Probleme mit dem Kraftstoff werfen Fragen nach der Zusammensetzung von
Benzin auf, in diesem Fall speziell nach dem Siedeverhalten und dem Dampfdruck.
Benzin verdampft zwischen 50°C und 200°C, verdunstet aber auch schon bei
Zimmertemperatur. Wir sprechen hierbei von leicht- und schwersiedenden
Bestandteilen. Leichtsiedende brauchen Sie z.B. im Winter beim Kaltstart.
Probieren Sie das mit noch im Tank befindlichem Sommerbenzin, haben Sie
schlechte Karten.
Ohnehin dürfen Sie Benzin nicht zu lange in einem gut ent- und belüfteten Tank
haben, weil sich dann die leichtsiedenden Bestandteile gerne verabschieden.
Damit kann der Start eines schon länger stehenden Gebrauchtwagens trotz
vollgeladener Batterie ernsthaft gefährdet sein, auch im Sommer. Aber genau diese
leicht siedenden Bestandteile können auch für die oben erwähnten
Heißstartprobleme mit verantwortlich sein.
Als eine Art Definition gelten alle Teile des Benzins, die bis 70°C dampfförmig
werden, als leicht siedend im Sinne von gutem Anspringverhalten. Es gibt übrigens
auf der anderen Seite der Skala ab 180°C noch einen schwersiedenden Anteil. Der
bleibt während nicht ausreichender Temperaturerhöhung im Brennraum flüssig,
gelangt u.U. ins Motoröl und verschlechtert dort die Schmiereigenschaften
(Ölverdünnung).
Wenn man als Dampfdruck beschreibt, wie gut Benzin verdampft, dann muss
dieser im Sommer etwas höher als im Winter sein. Freilich sind die Unterschiede
zwischen Sommer- und Winterbenzin nicht ganz so groß wie bei Dieselkraftstoff,
aber zweifellos vorhanden. Winterbenzin im Sommer würde sich z.B. durch
verstärkte Dampfblasenbildung z.B. beim Heißstart bemerkbar machen.
Noch wichtiger als der Dampfdruck ist die Klopffestigkeit des Benzins. Hier
unterscheidet sich das Super Plus eher von Superbenzin als von den jeweiligen
noch teureren Spezialsorten der Benzinhersteller. Im Gegensatz zum Dieselmotor
soll halt Benzin den hauptsächlich durch Verdichtung entstehenden
Temperaturerhöhungen widerstehen und sich nicht selbst entzünden.
Verursacht werden kann die Selbstzündung auch durch Wärmenester im
Brennraum oder durch Druckwellen. Selbstzündung kann hier verheerende Folgen
haben bis hin zur kompletten mechanischen Zerstörung des Kurbeltriebs. Den
Namen hat das Desaster von den zumindest im Anfang heftig begleitenden Klingeloder Klopftönen, die auch für den/die Fahrer/in wahrnehmbar sind.
Die Skala bewegt sich von dem als klopffreudigsten Stoff bekannten n-Heptan bis
zum sehr klopffesten Isooktan, was aber nicht heißt, dass es nicht auch z.B. bei
Hubkolbenmotoren für Flugzeuge und in bestimmten Rennsport-Szenarien Benzin
mit mehr als 100 Oktan gäbe. Optisch günstiger ist die Research-
OktanZahl, die dann auch in vielen Ländern (außer Deutschland) statt
der Begriffe wie 'Super' und 'Super Plus' an Tankstellen angegeben wird.
Die Motor-OktanZahl gilt als die ehrlichere, weil unter
verschärften Bedingungen entstanden. Der Prüfmotor wird stärker belastet und vor
allem das Gemisch stärker vorgewärmt. Übrigens zeigen beide Werte
entsprechende Tendenz. Ist die ROZ bei Super Plus höher, dann ist es auch die
MOZ. Grundsätzlich kann die Oktanzahl nicht hoch genug sein. Allerdings muss
der Motor auch etwas mit dem besseren Kraftstoff anfangen können.
Wenn z.B. ein Oldie-Saugmotor keine auf klopfende Verbrennung reagierende
Zündung hat, würde auch Benzin mit über 100 Oktan nichts nutzen. Am besten ist
eine regelbare Aufladung oder bei Saugmotoren eine noch nicht in Serie
befindliche variable Verdichtung. Nicht ganz so optimal ist eine Zündung, die
klopfende Verbrennung z.B. durch Klopfsensor erkennt und augenblicklich den
einen Zylinder oder alle etwas in Richtung 'spät' verstellt.
Noch hauptsächlich auf Prüfständen der Entwicklungsabteilungen ist ein Motor,
den man wohl als Zwitter zwischen Benziner und Diesel bezeichnen muss. Dessen
Kraftstoff-Luft-Gemisch wird in bestimmten Betriebsbereichen konventionell
elektrisch gezündet und in anderen durch Aufladung, Gemischbildung und
Temperatur so gesteuert, dass er zwar klopfende Verbrennung hat, diese aber
genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Er kennzeichnet eigentlich den Höhepunkt
aller Regelbemühungen am Benzinmotor.

Fehlersuche 2
Schubabschaltung ist spätestens seit Auftauchen der KA- und KE-Jetronic auch
bei der kontinuierlichen Einspritzung ein Thema. Würde man das Fahrzeug z.B. mit
einem Oszilloskop in der Hand des/der Beifahrers/in kontrollieren, könnte man
immer dann, wenn die Drehzahl über 2000/min läge und man das Gaspedal
losließe, ein Nullsignal für die Einspritzventile beobachten. Deren Tätigkeit würde
erst dann wieder einsetzen, wenn die Motordrehzahl mit langsamer werdendem
Fahrzeug z.B. unter 1400/min fallen würde.
Wenn jemand sein Fahrzeug gut kennt, kann er das auch ohne Messgerät
kontrollieren. Allerdings ist die Frage, ob das Steuergerät nicht so programmiert ist,
dass es dafür eine gewisse Motortemperatur braucht. Gestatten Sie mir auch hier
den Hinweis auf das Kennfeld. Die Abschaltdrehzahl der Anlage ist schon
schwieriger zu ermitteln und nicht, ohne den Motor zu quälen. Dazu muss er
sicherlich betriebswarm sein.
Versuche mit Schulungsanlagen zeigen, dass sich viele Einspritzanlagen ab einer
gewissen Drehzahl relativ sanft verabschieden. Es wäre auch auf der Autobahn mit
Sicherheit nicht wünschenswert, wenn plötzlich abgeschaltet würde, weil der damit
verbundene Bremseffekt unfallträchtig wäre. Interessant ist, dass die Zündung
meistens munter weiter macht. Sollte also doch irgendwo Kraftstoff sein, so wird
der gezündet, weil nicht verbrannter Kraftstoff dem Katalysator sehr schadet.
Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang eine gewisse Hysterese. Das
wäre in diesem Fall der Drehzahlunterschied zwischen Ein- und Ausschaltung.
Dreht also ein Motor bergab bei nicht getretenem Gaspedal z.B. über 1.600/min,
wird die Einspritzung abgeschaltet. Wieder eingeschaltet wird sie dann vielleicht
bei Unterschreitung von 1.400/min. Desgleichen kann sie über 6.050/min
abgeschaltet und unter 5.950/min wieder eingeschaltet werden. Zugleich sind
diese Drehzahlen in der Regel abhängig von der Kühlmitteltemperatur.
Noch ein letzter Blick auf das Kaltstartsystem. Auch dieses ist unter der
Berücksichtigung der Kühlmitteltemperatur leicht zu kontrollieren. Grundsätzlich
muss am Thermozeitschalter Spannung von Klemme 15 (Zündung Plus) anliegen.
Ist der Motor warm, sollte der Schalter offen sein, also keine Einspritzung
stattfinden können. Ist er sehr kalt, öffnet er beim Starten nach ca. 15 Sekunden,
damit der Motor nicht zu viel Kraftstoff erhält. Diese Zeit reduziert sich mit der
steigenden Temperatur des Kühlmittels.
Über den besonders wichtigen Vergleich der Einspritzmengen der einzelnen
Zylinder haben wir schon gesprochen. Eigentlich haben ja die Einspritzventile nur
die Aufgabe der Zerstäubung. Die lässt sich leicht durch Abziehen prüfen. Hinzu
kommt die schon etwas schwierigere Prüfung auf Dichtigkeit bis knapp unter den
Öffnungsdruck. Insgesamt sollte man aber hier nicht zu viel Aufwand treiben, weil
dieses Bauteil mit Sicherheit nicht zu den teuersten der K-Jetronic gehört.
Übrigens, deutliche Fehler an der Anlage findet man an den Einspritzventilen eher
selten. Auch wenn man das kleine Rückschlagventil ausbaut oder gar absägt, der
Motor läuft immer noch.
{Bei massiven Störungen grundsätzlich Systemdruck prüfen.}
Sollte auch eine KE-3 noch Heißstartprobleme haben, hilft mit Sicherheit eine
Druckmessung über Nacht. Im Prinzip sollte der Druck gehalten werden. Ist das
nicht der Fall, kann neben der allgemeinen inneren Dichtigkeit der Anlage der
Systemdruckregler in Verdacht kommen. Er ist nicht selten zu einer Einheit mit
Pumpe und Speicher vor dem Tank zusammengefasst. Falls er jeglichen
Druckaufbau vermeidet, ist sogar der normale Motorlauf gefährdet. Aber er ist eben
auch für den Haltedruck zuständig.
Lassen Sie mich noch über eine Begebenheit in einer ausländischen VW-Werkstatt
berichten, wobei ich keineswegs behaupten will, dass die grundsätzlich schlechter
wären. Es war nur eben so. Da kommt ein Auto mit K-Jetronik von der Probefahrt
zurück, ein Mechaniker am Steuer und die halbe Familie. Ich weiß nicht, was
geredet wurde, mir kam nur die Art und Weise der Ankunft etwas aufwändig vor.
Es wurde dann auch nicht zügig mit der Fehlersuche begonnen, sondern die
Motorhaube geöffnet und zentral ein Manometer hineingehängt. Wie mir sofort klar
wurde, war es so angeschlossen, dass es den Steuerdruck anzeigte. Imposant, der
Wagen mit dem sicher noch eine halbe Stunde lang laufendem Motor und dem
Messgerät, nur leider völlig daneben. Wie sie inzwischen schon wissen, kann man
den Steuerdruck nur sinnvoll bei langsam warm werdenden Motor messen und ein
Messgerät, das niemand wirklich kontrolliert, ist ohnehin nichts wert.
Werfen Sie lieber z.B. Ihren Temperatursensor in den (alten) Kochtopf mit etwas
Wasser und messen Sie von Zeit zu Zeit Temperatur und Widerstand. Natürlich ist
es ein Negative Temperature Coefficient, sein Widerstand
muss mit der Temperatur sinken. Haben Sie keine Herstellerangaben, dann
können Sie bei alten Sensoren probehalber von 2,3 KOhm bei 20°C ausgehen.
Ansonsten gibt es bei bestimmten KE-Anlagen schon eine Eigendiagnose. Wie Sie
eine Lambdaregelung prüfen, dazu ist schon etwas gesagt und für Sensoren gibt
es auch jenseits unserer so beliebten Werkstattscanner noch die guten alten
Messgeräte. Und so komplexe Bauteile wie ein elektrohydraulischer Drucksteller
lässt sich sehr gut durch Messen des Stellerstroms und des Unterkammerdrucks
prüfen, vorausgesetzt man hat oder baut sich geeignete Anschlüsse,







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