Vermutete Wirklichkeit

Nein, von vornherein wird es keine nur von autonom fahrenden Autos bevölkerten Innenstädte geben, die werden sich über längere Zeit unter die konventionellen mischen. Sie fallen in der Regel aber auch
nicht auf. Geht etwas kaputt, werden sie auf ähnliche Weise in die Werkstatt gebracht wie jetzt auch. Der Zugriff müsste dem Abschleppdienst über einen Handy-Code gewährt werden.
Von der Anzahl möglicher Defekte her ist kaum eine höhere Rate zu erwarten. Allerdings könnten Situationen entstehen, die für das Betriebssystem des autonom fahrenden Autos nicht auflösbar wären. Dazu
wären Kennzeichnungen eines solchen hilfreich, z.B. bei Nacht, wenn man schlecht ausmachen kann, ob jemand hinter einem Lenkrad sitzt.
Und es gibt tatsächlich schon einen Ansatz von Mercedes aus dem Jahr 2014, den Future Truck 2025 (Bild oben). Das ist ein Actros Prototyp, der nach außen hin signalisieren kann, in welchem Modus er
gerade betrieben wird. Die blaue Farbe der Front-LEDs kennzeichnet den Autonom-Modus. Käme dieser Lkw in irgendwelche unauflöslichen Schwierigkeiten, so gäbe es wohl zunächst keine andere Möglichkeit, als
dass er einfach stehen bliebe.
Sie merken schon, es gibt in der Stadt viele zu erwartende Schwierigkeiten, die übrigens auch mit einem selbstständig fahrenden Pkw in etwas entschärfter Form zu erwarten sind. Deshalb beginnen wir mit der
Autobahn, natürlich ebenfalls im Mischverkehr. Hier könnte man einen Fahrauftrag bis zu einer zu bestimmenden Ausfahrt eingeben, egal mit welchem Gerät auch immer. Da wir in diesem Buch prinzipiell nicht von
einer Rückgabe an einen verantwortliche(n) Fahrer/in ausgehen, müsste der Wagen irgendwann zum Stehen kommen.
Bei größeren Schwierigkeiten, hoffentlich nicht in einer Baustelle, könnte das der Seitenstreifen sein, wofür vermutlich die Gesetzgebung geändert werden müsste. Schließlich darf man auch mit menschlicher Not dort
nicht anhalten. Im günstigeren Fall wäre das dann eine Ausfahrt, wenn auch nicht die eingegebene. Ein- und besonders Ausfahrten müssten also noch besser für autonomes Fahren bzw. Warten vorbereitet werden.
Sie mögen daran erkennen, ohne Personen mit Fahrerlaubnis an Bord wird es im Anfang nicht gehen.
Nehmen wir ein Parkhaus als Präzedenzfall für alle möglichen Parkmanöver, könnten der/die wirklich Berechtigte aussteigen und das Fahrzeug sich selbst überlassen. Im besten Fall ist auf dem
Smartphone zu verfolgen, wie das Auto selbstständig einparkt und wo es schließlich steht. Wiederfinden muss man es dennoch nicht. Es kommt im günstigsten Fall von selbst zu dem Ort, von dem aus man es
gerufen hat. Bei Schwierigkeiten muss man natürlich eingreifen.
So richtig autonom fühlt sich das (noch) nicht an. Eher, wie die Beaufsichtigung eines kranken Kindes. Man kann eigentlich nicht weg, bevor das Auto endgültig eingeparkt ist. Bei
anderen Zielen als einem Parkplatz im Parkhaus muss dem Fahrzeug u.U. sogar ein Parkplatz zugewiesen werden. Auch kann das Auto seine ehemaligen Insassen wegen der geringen Geschwindigkeit
beim Parkplatzverkehr nicht unbegrenzt weit entfernt aufnehmen.
Auf der Autobahn gar nicht und im Parkhaus, vielleicht durch streng abgesicherte Wege wie in einer Fabrik, sind in die Quere laufende Fußgänger wohl kaum zu erwarten. Und tun sie dies unter fahrlässiger
Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen, dann ist die Rechtslage eindeutig. Also müsste man für den ganz gewöhnlichen Straßenverkehr Maßnahmen der sicheren Trennung überlegen, die sicher nicht nur
aus einem erhöhten Bürgersteig bestehen dürften.
Vielleicht ist das auf der Landstraße noch einfacher, obwohl hier deutlich schneller gefahren wird. Stellen Sie sich nur einmal das Gefahrenpotential von zwei sich mit 100 km/h begegnenden Fahrzeugen
vor. Dagegen ist das Problem, evtl. auf sichere Fahrradwege auszugliedernder Fußgänger noch harmlos. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, es wird auf noch mehr
Geschwindigkeitsbeschränkungen hinauslaufen. Und wenn nicht gleich, dann eben bei einem Unfallschwerpunkt nach dem anderen.
Es wäre lohnend, zu warten, bis wir so viele autonome Fahrzeuge beisammen hätten, dass wir für diese separate Straßen oder zumindest abgetrennte Fahrbahnen zur Verfügung stellen könnten. Aber das
wird mit unserer Sicht auf das Autofahren wohl nicht zu machen sein. Dann könnten sich zwei Fahrzeuge ohne Insassen theoretisch sogar schneller begegnen als mit.
Sie dürfen nämlich nicht den Transport von allem Möglichen vergessen, neben Taxi- auch Paketdienste, wer immer letztere dann aus dem Auto holt. Wie gesagt, eine Transportaufgabe zu übermitteln, ist
bei unserem Durchschnitt an Smartphones pro Person relativ einfach. Diese aber ohne Störung durchführen und z.B. bei Gütern erfolgreich abwickeln zu lassen, schon eine Herausforderung.
|