Porsche 2

kfz-tech.de/PAR216
Wir gehen direkt in das Jahr 1988 und schauen uns den ersten 911 (Modell 964) mit Allradantrieb (Carrera 4) an. Er ist noch nicht mit dem späteteren Turbo verschwägert. Der bringt seine enorme Kraft 'nur' auf
die Hinterachse. Der erste Carrera 2 knüpft an den Erfolg bei der Rallye Paris-Dakar 1984 an.
Ein luftgekühlter 3,2-Liter Sechszylinder mit 169 kW (230 PS) treibt das Modell 953 mit etwa 25 Zentimeter Bodenfreiheit an. Nicht das Team um Jacky Ickx holt den Sieg, sondern die beiden Franzosen René
Metge und Dominique Lemoyne. Übrigens siegen beide in der Kategorie 'Cars' zwei Jahre später mit dem Porsche 911/959 (Bild oben) noch einmal.
Alles scheint bei dieser Rallye für die drei eingesetzten Porsche mit Schwierigkeiten behaftet zu sein, keine Erholungsphasen scheinen möglich. Es hängt zu mehr als der Hälfte von den Umständen ab und
entsprechend weniger vom Können der Fahrer/innen ab, ob man die Rallye erfolgreich beendet.
12.000 Kilometer durch 7 afrikanische Länder in 16 Tagen sind in den Kategorien 'Cars', 'Motorcycles', 'Trucks' und neuerdings auch 'Quads' mit 500.000 Liter Kraftstoff und 55 Tonnen Nahrung für 1.200 Leute
zu bewältigen. Für Jacky Ickx ist das im Januar 1985 während der Rallye nicht die erste Überfahrt nach Algerien. Er hat zuvor schon zwei Monate mit der Vorbereitung der drei Porsche hier verbracht.
Vor der eigentlichen Sandwüste Geröllstrecken, wie man sich sich als normale(r) Autofahrer/in nicht vorstellen kann. Wo man, genügend Bodenfreiheit und Allradantrieb vorausgesetzt, vielleicht eine
Vorwärtsfahrt im Schneckentempo wagen kann, prügeln die Rallye-Piloten besonders der Bykes und Cars ihre Gefährte ohne Gnade, als wäre es eine normale Landstraße.
Man glaubt es kaum, aber an so einer Rallye nehmen auch Motorrad-Gespanne und Fahrzeuge mit Zweiradantrieb teil. Es geht natürlich viel kaputt, ohne dass ein Versorgungsfahrzeug in der Nähe wäre. Weit
über 100 Kilometer Fahrt mit einem platten Reifen sind keine Seltenheit. Natürlich reduziert das die Reisegeschwindigkeit beträchtlich.
Die Porsche schlagen sich achtbar, ohne anfänglich die führenden Range Rover und der von Chrysler-Technik beflügelte Lada Niva (!) gefährden zu können. Kommt die Wüste, werden die Geschwindigkeiten
höher, bisweilen über 200 km/h hinaus. Fast noch mehr muss man die Fahrer der Enduros bewundern, deren Geschwindigkeit denen der Cars nur auf den Geraden merklich nachsteht.
Die Defekte bleiben Jacky Ickx und seinem Copilot treu. Zwei Mal fällt die Elektrik komplett aus, zuletzt ohne technische Hilfe. Was Wunder, dass die beiden es an 139ster (!) Stelle bis zum Checkpoint
geschafft haben. Nach einer Nacht bei -5°C und hoffentlich jetzt erfolgreicher Reparatur droht dem Team am nächsten Tag vor dem Überholen das Fressen unendlich großer Mengen Staub.
Wer meint, so etwas Ähnliches wie Straßen oder Wege seien für diese Rallye vorgegeben, der irrt gewaltig. Nur Kompass und 'Gebetbuch' weisen den Weg. Hier kommt dem/der Beifahrer/in eine besondere
Bedeutung zu. Vermutlich sieht das Gebetbuch für eine Rallye durch die Wüste etwas anders aus als gewöhnlich. Denn wie soll man Kurvenradien und Sprungvorhersagen machen, wenn der Kurs querfeldein
geht?
Der Porsche von Jacky Ickx und Claude Brasseur scheint wieder in Ordnung zu sein. Jedenfalls macht das Team sage und schreibe über 60 Plätze gut. Übrigens neben den Autos erleiden auch Menschen
z.B. bei Unfällen ernsthafte Defekte. Wie gut, dass die Hubschrauber nicht nur für die fabelhaften Luftaufnahmen zuständig sind. Das wichtigste Transportmittel der Wüste, das Kamel, zeigt die langsame oder
stetige Fortbewegung als die geeignetste an.
Noch einmal mehr bewundern muss man die Enduro-Fahrer. Ohne kontrollierenden Beifahrer, nur auf sich allein gestellt, mit Einrad-Antrieb durch den lockeren Sand der höchsten Dünen Afrikas.
Von wegen gemütlich sitzen. Sehr häufig stehen sie auf ihren Pedalen oder benötigen ein paar Schritte, um ihr Bike aus den Tiefen des Sandes bzw. wieder auf den rechten Weg zu bringen.
So langsam gegen Ende der Rallye hat sich Jacky Ickx durch mehrere Tagessiege auf den 10. (!) Platz vorgekämpft. BMW führt die Motorräder an und Mercedes die Trucks. So wird am Ende auch das
Ergebnis aussehen, nur eben nicht mit Ickx als bestem Porsche-Fahrer. Trösten kann ihn später vielleicht, dass er im Jahr darauf (und übrigens auch im Jahr davor) mit Mercedes die Rallye gewinnt.
Fast noch unglaublicher als diese Ergebnisse ist das Abschneiden von zwei zweiradgetriebenen Fahrzeugen. Da ist der heckgetriebene Opel Manta des Belgiers Colsoul, der drei Etappen gewinnt und der
frontgetriebene Citroën Visa des Franzosen Lacaze, der die 17. Etappe für sich entscheidet. Ersterer endet im Gesamtklassement auf dem vierten, letzterer auf dem achten Platz.
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