Allrad 2 - Jeep 6

| 1941 | WILLYS MB |
| 1945 | CJ-2A |
| 1952 | M38-A2 |
| 1955 | CJ-5 |
| 1976 | CJ-7 |
| 1987 | WRANGLER | | 1997 | WRANGLER |
| 2007 | WRANGLER UNLIMITED |
| Back to nature, but fully connected. |
Hier sehen Sie die relativ spärlichen Schritte vom Ursprung bis zum Modell 2018. Das hat Gründe, und die sind tief in der Marke 'Jeep' und noch mehr in der Typbezeichnung 'Wrangler' verborgen, vielleicht
sogar rationalem Denken gar nicht zugänglich. Erstaunlich dabei, dass ausgerechnet das Aussehen eines Wrangler als besonders der Wirklichkeit angepasst bezeichnet wird.
Die im Wesentlichen kubische Form verspricht natürlich ein Maximum an Inhalt. Inzwischen versucht man sogar, ihr mit Abschrägung des berühmten Keystone-Grills und einem Spoiler am Heck so etwas
wie Windschnittigkeit zu verpassen. Auch die Aufteilung zwischen kürzeren Zwei- und längeren Viertürern scheint logisch.
Wenn jetzt noch eines der vielen Dachangebote wahrgenommen und die nicht gerade zum Brüllen hohe Anhängelast von 1.600 kg genutzt wird, bleibt nur noch wenig übrig, was mit diesem Gefährt nicht
zu transportieren wäre. Hinzu kommt, dass man das Reserverad außen vor und unsagbar weit wegklappen kann. Ist über die hintere Tür hinausragende Ladung zu erwarten, kann man es schlicht zu
Hause lassen.
Dessen Träger ist übrigens aus Magnesium. Ja, die Ingenieure von Jeep betreiben Leichtbau, trotz eigentlich uralter Rahmen-Konstruktion. Aber für die mögliche Einsätze des Wrangler geht das wohl nicht
anders, ebenso wie die starre Vorderachse, die immerhin auf Schraubenfedern mit fünf Lenkern umgestellt ist. Ein Stabilisator bewahrt den hohen Wagen vor zu viel Neigung in schnellen Kurven, kann
allerdings auch fürs Gelände entsperrt werden.
Womit wir schon fast beim Rubicon wären. Sie erinnern sich vielleicht, das ist der oberitalienische Fluss, den Caesar verbotenerweise mit seinen Truppen 49 v.Chr. überschritten, was seitdem ein
geflügeltes Wort für das Überschreiten einer Grenze ist. Der Rubicon kommt also auch dorthin, wo eigentlich Landfahrzeuge nicht hingehören. Wrangler-Eigner reden allerdings lieber von der Tatsache,
dass Sie aus jeder nur denkbaren Situation wieder herauskommen.
Mindestens einer möchte aus diesem Grund sogar in seinem Fahrzeug begraben werden. Jedenfalls erzählt das Jeep-CEO Mike Manley nicht ohne Stolz ebenso wie die Tatsache, dass man sich die
Marke auf den Arm tätowieren lässt. In einem hat er allerdings Recht, solche Anhänglichkeit findet man wohl bei keinem Hersteller großer Serien, außer vielleicht Tesla in neuerer Zeit. Ein Jeep ist eben etwas
Besonderes, nicht nur in seinem Heimatland.
Das erschwert den Designern natürlich die Arbeit. Sie dürfen allenfalls die Windschutzscheibe so herunterklappen lassen, dass der innere Rückspiegel an seinem Platz bleibt. Oder die Dachkanten etwas
abrunden. Etwas verspätet kommt die Modernität auch unter die Haube. Der neue Zweiliter ist immerhin ein Mildhybrid und entpuppt sich mit seinen 400 Nm als Zuchtbulle, auch wenn dieses Drehmoment
nach SAE-Norm gemessen wurde.
Für 2020 verspricht man sogar einen echten PlugIn-Hybrid und immerhin kommt 2019 ein sehr effizienter Dieselmotor, übrigens auf ausdrücklichen Wunsch der Kunden. Die sollen ja besonders
naturliebend sein, dann lässt vielleicht hier die Sehnsucht nach besseren CO2-Werten verankern.
Schaut man sich allerdings den als weltbesten Geländewagen gepriesenen Rubicon an, so ist davon wieder weniger zu spüren. Alle Wagen dieser Gattung haben 33-zöllige Räder. Es gibt sowohl bei
Schaltgetriebe wie bei der Achtgang-Automatik einen Geländegang mit der unglaublichen Übersetzung von 85 : 1, natürlich flankiert von Sperren vorn und hinten.
Und während auch durch die riesigen Reifen Böschungs- und Bauchwinkel abenteuerlich hoch sind, fällt die Wattiefe von einem dreiviertel Meter schon gar nicht mehr auf. Nein, auf Umweltverträglichkeit
liegt der Focus nicht, sie wird nur mitbedient, wenn möglich. So wie die aushängbaren Türen aus Aluminium und die 90 kg Ersparnis an Chassis und Fahrwerk.
Es ist immer noch der Dieselmotor, der solche Gefährte immerhin erträglich macht. 30 Meilen pro Gallone verspricht Jeep-Chef Manley, das wären dann 7,84 l/100km, natürlich für den leichtgängigsten.
Weiß, der Teufel, wie viel das dann in der Praxis wird. Interessant bleibt aber, dass Jeep einen neuen Dieselmotor gerade dann einführt, wenn man ihn anderswo gerade endgültig abschaffen will.
|