Jeep 3

Willys Overland wird über viele Jahre bzw. Jahrzehnte versuchen, von der rein militärischen Abhängigkeit loszukommen. Dazu gibt es anfangs die nicht besonders stark veränderte zivile Variante. 1948 wird
der Jeepster verwirklicht, sechs Zylinder, mehr Radstand und Einzelradaufhängung vorn, allerdings auch kein Allradantrieb mehr.
Ob es nun eine Übernahme oder in der Wirklichkeit ein Zusammenschluss ist, jedenfalls wird aus 'Willys' ab 1953 'Kaiser-Willys'. Die größte Leistung des Kaiser-Frazer Konzerns zur Jeep-Entwicklung ist
wohl die Entwicklung des ersten Sport Utility Vehicles der Welt unter dem Beinamen 'Wagoneer'.
Es ist die fast absolute Freiheit, auf vier angetriebenen Rädern Familie und genügend Gepäck mitnehmen zu können und dazu noch genügend Komfort zu genießen. Bleibt letztlich fast für alle Zeit nur
noch die Frage der richtigen Reifenwahl, straßen- oder geländetauglich. Am Ende ist der Wagen sogar mit V8-Motor lieferbar.
Der Jeep beherrscht den Markt der Geländewagen lange Zeit unangefochten, bis International und dann Ford mit dem Bronco (siehe nächste Kapitel) die gestiegene Käufergunst für sich entdecken.
Kaiser-Willys hat mit dem Jeep alles Mögliche versucht, ist aber nie zu einer sicheren Auslastung der Produktion für die Privatwirtschaft gekommen.
1970/71 wechselt wieder einmal in der Krise der Besitzer. Willys wird an die American Motors Corporation verkauft. Die Bestandsaufnahme lässt einen Blick auf das Händlernetz
zu. Hier kommt es zu großen Umwälzungen, indem etwa so viele neue hinzukommen, wie alte gehen (müssen). Sie waren zu unprofessionell, gut geeignet für Zeiten, in denen sich nur Farmer und Förster
für den Jeep interessieren.
| Vier Linien von Jeep-Kreationen |
| 1. Weiterentwicklung des klassische Jeep mit noch kompaktem Äußeren, stärkeren Motoren, auffallender Bereifung, Überrollbügel |
| 2. Vergrößerung der Karosserie unter Beibehaltung des Jeep-Gesichts, geschlossener Aufbau, Beibehaltung Vierradantrieb |
| 3. Stark vereinfachte, sehr kostengünstige Ausführung des Allradantriebs, geschlossen. |
| 4. Kaum noch als Jeep erkennbare SUV-Lösung, viel Raum und Komfort, trotzdem Allradantrieb |
Man strebt bei AMC das enorme Potenzial städtischer Käufer an. Erstaunlicherweise ändert man dazu im Prinzip nur den Look der Fahrzeuge, nicht so sehr die Technik. Seit 1987 gehört AMC zu
Chrysler und seit 2014 zur Fiat-Chrysler Group. Das Jeep Programm scheint inzwischen stark auf dem Wrangler zu beruhen, dem inzwischen auch verkaufsstärksten Fahrzeug der Marke.
Insgesamt hat der Absatz bei der Firma einen enormen Aufschwung erfahren. Ursprünglich nur auf Nordamerika hat der SUV-Boom der Marke Jeep eine enorme Verbreitung beschert. Aus vier
Produktionsstätten in Nordamerika wurden zehn in sechs Ländern. Über 1,4 Millionen Einheiten werden inzwischen (2017) pro Jahr verkauft. Es ist offensichtlich das Potential des Markennamens.
Man kann es gut beurteilen, wenn man die Prospekte der vier Marken anschaut. Bei Wrangler ist noch der Antrieb vom Motor bis zu den beiden avhsen abgebildet, bei Cherokee schon nicht mehr, obwohl der bis auf die
Einzelradaufhängung über den gleichen Unterbau verfügt. Aber er gilt schon als der komfortablere, besonders auch als Grand Cherokee.
Weiter nach unten und damit in Richtung eines preiswerteren Drivetrains folgt der Compass. Er und der wegen der z.T. schwächeren Motoren noch günstigere Renegade profitieren von der Unbezwingbarkeit des
Wrangler, obwohl sie über Quermotoren mit zuschaltbarem Hinterradantrieb verfügen. Schon ab Cherokee gibt es auch Jeeps mit Zweiradantrieb.
| Jeep Renegade holt nur drei Sterne beim Crashtest. |
Der Renegade hat dann in dem Fiat 500 X noch ein Schwestermodell, was man aber ebenfalls nicht so gern publik macht, denn immerhin ist der Jeep ca. 1.500 € teuerer. Nein, eine zuschaltbare Hinterachse ist auch ein
vollwertiger Allrad. Nur, dass noch nicht einmal ein extra zu dieser Frage angeforderter Manager weiß, welche Art wählbarer Allrad in welchem Modell steckt, wirft ein besonderes Licht auf Verkauf und Kunden.
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